• Fiona Mählmann

Yecca im Interview

Nach dem Release von Yeccas EP »22« von ihrem fabelhaften zweigeteilten Debütprojekts 1122 durfte Flutwelle mit ihr über ihre Musik sprechen.


Sie erzählt unter anderem, wie der bekannte Produzent The Royals auf sie aufmerksam wurde, wie sich ihre Leben praktisch über Nacht gewandelt hat, wie sie Texte schreibt und was ihre nächsten Tattoo-Projekte sind.

Ende November kam deine zweite EP »22« raus. Anhand der Titel und Cover ist leicht zu erkennen, dass diese mit der EP »11« ein zusammenhängendes Projekt darstellt. Vielleicht magst du ein bisschen was zu den einzelnen EPs und deiner Vision zu beiden erzählen?


Genau, ich hatte mir überlegt, dass die EPs irgendwie zusammenhängen sollen. Sowohl von den Liedern her, als auch vom Vibe so ein bisschen gegensätzlich. Und vielleicht zum Titel, also »11« und »22«, zu der Uhrzeit wurde ich geboren, also 11:22 Uhr. Dementsprechend kann man leicht sehen, dass die zusammengehören. Vom Vibe her ist die »11« EP eher so ein bisschen in den Clouds und man schwebt so total. Und auch wenn deepe Lieder drauf sind, ist es doch eher von den Sounds her ein bisschen heller. Und bei der EP »22« geht das ein bisschen mehr in ’ne darke Richtung, also sowohl thematisch als auch vom Sound und den Beats her. Ich wollte mit den EPs Gegensätze bringen.


„Ich hab’ noch nie dran gezweifelt, dass das alles hier mal klappt“, ist eine Line von deiner neuen Single »Zelda«. Wann war der Moment, an dem du realisiert hast, dass du gerade den Traum vieler Musiker:innen lebst?


Also ich glaube, das war für mich als ich nach Berlin gezogen bin und gemerkt habe, dass ich auch von der Musik leben kann, ohne was nebenbei machen zu müssen - ohne irgendwie noch ’nen side hustle oder so zu machen, sondern, dass ich mich komplett auf die Musik konzentrieren kann. Aber das kam alles immer schleichend. Also, das war nicht so ein Moment, an dem ich mir dachte „krass so ist das jetzt“. Das kam dann mit den ersten Videodrehs und so mit der Zeit hat man das dann realisiert, als dann auch andere Medien auf einen aufmerksam wurden.


Dem entgegengesetzt klingen in Keine Träne aber auch Selbstzweifel an, dass du viel Druck verspürst und sich auch alles noch etwas surreal anfühlt. Ist der Leistungsdruck das, was dich am meisten belastet, seit du dich der Musik komplett gewidmet hast? Und hast du das Gefühl dich besonders beweisen zu müssen?


Auf jeden Fall. Es gibt natürlich immer negative Tage, wo man auch ein bisschen Selbstzweifel hat. Ist glaube ich auch ganz normal, egal was man macht. Aber ich glaube, gerade wenn man Musik macht oder einen kreativen Beruf ausübt, hat man das immer wieder. Ich glaube in dieser Branche vergleicht man sich sehr viel, was aber wahrscheinlich nicht so gut ist. Man muss ja auf sich selbst fokussiert sein und auch auf sich selbst gucken. Ich versuche mein Mindset immer positiv zu halten und mich von diesen schlechten Tagen nicht so beeinflussen zu lassen und jetzt zu denken: „Okay, ich schmeiß das alles hin. Das macht keinen Sinn“, sondern gerade diese schlechten Tage als Motivation zu sehen.

Wie hat dich Rap als Teenager gecatched? Was hat dich daran fasziniert, bzw. was hat in die Ansicht ausgelöst, dass Rap ‚realer‘ ist als Pop.


Ich hab’ damals, als ich noch sehr jung war Sido gehört. Bushido auch tatsächlich. Meine Eltern konnten kein Deutsch, also haben sie nicht verstanden, was da gesagt wird. Deshalb durfte ich das wahrscheinlich hören. Ich weiß gar nicht, wie alt ich da genau war, zwischen 8 und 11, irgendwas in dem Zeitraum. Das ist ja eigentlich nicht gerade die Musik für ein junges Kind. [lacht] In meinem Umfeld wurde auch viel Rap gehört und durch den Hype bin ich da auch reingerutscht. Ich habe Rap schon immer gefeiert. Und ich glaube, man kann sich eher mit den Texten identifizieren, als wenn man Popmusik hört, wo die Texte ja oft ein bisschen oberflächlicher sind. Nicht immer, aber oft. Und ich glaube, dass man sich gut mit gewissen Texten identifizieren kann, ist das, was einen dann catched.


Was fehlt dir aktuell in der deutschen Rap Szene?


Ich finde generell im deutschsprachigen Raum könnte es ein bisschen mehr Vielfalt geben. Auch, dass die Leute ein bisschen offener sind für gewisse Sachen. Ich meine, das, was gerade in den USA trendet, kommt ja viel später in Deutschland an. Genauso mit dem Trap. Damals, als Ufo(361) damit angefangen hat den Trapfilm zu fahren, hat keiner das verstanden und das hat auch ziemlich lange gedauert, bis er das hier etabliert hat. Ich würde mir generell wünschen, dass man irgendwie offener ist für verschiedene Stilrichtungen oder für Leute, die auch mal was Neues ausprobieren.


Ein Track von dir, den du auf Social Media beworben hast, wurde von dem Produzenten The Royals entdeckt, mit dem du auch bei deinen EPs zusammengearbeitet hast. Wie lief der für dich ab, nachdem er sich das erste Mal bei dir gemeldet hat?


Ich hab’ mich natürlich erstmal mega gefreut. Dann hatte er mir so um die 5 Beats rübergeschickt und meinte einfach: „Hier nimm die. Probier’ dich mal ein bisschen aus. Guck mal was bei rumkommt.“ Dann habe ich mir glaube ich 2-3 Beats gepicked, wo ich was drauf aufgenommen habe. Unter anderem ist da auch »Ride« entstanden. Das war einer meiner ersten Songs. Und »Hypnotic« ist auch ganz früh entstanden. Die habe ich ihm dann rübergeschickt. Und er fand das ziemlich gut, hat mich sofort nach Berlin eingeladen und das ging alles irgendwie superschnell. In Berlin hatten wir ’ne Session, haben zusammen nochmal ein paar Songs recorded. Zwei Wochen später, nachdem ich wieder zuhause war, war ich schon wieder in Berlin, hab den Vertrag unterschrieben und seitdem ging alles step by step. Ich bin dann auch nur wegen der Musik nach Berlin gezogen. Ich hatte davor in Dortmund gelebt. Und wenn ich jetzt daran zurückdenke, ging das alles superschnell. Ich konnte das damals gar nicht alles realisieren und fassen, glaube ich.


Das war auch bestimmt eine krasse Veränderung, von einer so kleinen Stadt, dann ins Ruhrgebiet und dann nach Berlin. Wie fühlst du dich hier eigentlich?


Ich liebe Berlin. Ich glaube, ich hab’ mich in keiner Stadt so wohl gefühlt, wie hier. Ich finde einfach die Leute hier cool. Ich find den Vibe cool. Das Essen ist gut. Es gibt ’ne riesen Auswahl. [Lacht] Allgemein hast du hier einfach viele Möglichkeiten. Ich meine, wenn du in ’ner Stadt wohnst wie Herford , was eigentlich schon fast ein Dorf für mich ist, dann kannst du da nicht viel machen. Also entweder fährst du in eine Nachbarstadt um was zu machen oder keine Ahnung - das Einzige was ich in Herford gemacht habe ist mit Freunden irgendwo draußen rumzuchillen und das war es dann auch und da ist nicht viel mit Unternehmungen.

Die bekanntesten Rapper mit denen The Royals zusammenarbeitet könnten nicht unterschiedlicher sein im Vergleich mit dir. Die Texte sind sehr selbstüberzeugt und oft auch recht objektifizierend. Wie passt du deiner Meinung nach in das Repertoire, wo du doch eine ganz andere Klientel ansprichst?


Ich glaube das, was mich und Hamudi (The Royals) verbindet, ist die Liebe zu sehr deepen und gefühlvollen Beats. Klar, er macht auch andere Sachen, aber ich weiß auf jeden Fall, dass er das sehr, sehr, gerne macht, also Beats die sehr deep sind, vielleicht auch ein bisschen düster, die einen sehr emotionalen Vibe haben. Und ich glaube, das ist das, was uns so verbindet. Und weshalb die Zusammenarbeit auch so gut klappt.


Die Emotionalität und Verletzlichkeit deiner Texte wird in Interviews und Artikeln zu deiner ersten EP immer wieder aufgegriffen. Ohne zu sehr in Stereotypen zu verfallen, wirken sie dadurch meiner Meinung nach sehr weiblich. Meinst du, dass daher vielleicht eher Mädels und Frauen deine Musik anspricht?


Tatsächlich ist das sehr gemischt, also das ist fast 50:50 - Frauen und Männer. Ich versuche immer darauf zu achten, dass ich in den Texten sehr…naja, ich versuche nicht »er« oder »sie« zu sagen oder Namen zu erwähnen. Also so, dass der Text auch von einem Mann stammen könnte, damit sich jeder damit identifizieren kann. Das versuche ich immer zu erreichen, dass einfach jeder da mitfühlen kann, ohne irgendwelche Pronomen zu verwenden.

Mir persönlich ist es immer wichtig, dass die Texte sehr greifbar sind. Manchmal ist es so, als würde ich einfach irgendwas erzählen. Ich achte jetzt nicht darauf, dass da zum Beispiel sehr viele Punchlines drin sind. Ich mach das einfach nach Gefühl und ich glaube deswegen können sich auch viele damit identifizieren. Meine Leidenschaft wird immer sein solche deepen Sachen zu schreiben. Das ist das, was mir am meisten Spaß macht, auch wenn sich das vielleicht etwas blöd anhört. [Lacht] Aber das ist was mir auch am besten liegt, habe ich das Gefühl. Und es fällt mir sehr, sehr viel einfacher einen sehr emotionalen Text und Song zu machen als einen fröhlichen Partyhit, zum Beispiel.

»Sternzeichen Stier, Aszendent Löwe, Mondzeichen Skorpion« steht in deiner Spotify Bio. Eine deiner Playlists auf Spotify heißt »Law of Attraction«. Auch der zusammengelegte Titel deiner EPs 1122 erinnert an Numerologie. Mit Diffus hast du ja bereits ein wenig über Spiritualität gesprochen. Falls du etwas mehr darüber reden willst, wie bist du an diese, gewissermaßen, Pop-Spiritualität herangekommen und inwiefern praktizierst du sie vielleicht auch?


Ich bin kein Profi was das Thema anbelangt, aber es interessiert mich auf jeden Fall. Ich bin durch meine beste Freundin dazugekommen. Die hat sehr früh angefangen sich damit auseinanderzusetzen. Mich hat das anfangs gar nicht interessiert, aber dann hat sie mir das ein bisschen näher gelegt. Auch was Law of Attraction angeht, also dass man das anzieht, was man ausstrahlt. Deswegen versuche ich auch immer, mein Mindset sehr positiv zu halten, weil ich weiß, dass dann viel Positives zurückkommt. Und wenn man nicht an sich selbst glaubt, also wenn du selbst sogar nicht an dich glaubst, dann wirst du es auch nicht schaffen können. Man muss sich irgendwo sicher sein und an sich selbst glauben, um Sachen erreichen zu können. Dann habe ich mich auch ein bisschen mit Manifestieren auseinandergesetzt. Aber, wie gesagt, ich bin kein Profi. Ich weiß jetzt nicht, was jedes Sternzeichen bedeutet, aber ich finde es schon sehr, sehr interessant. Und man muss auch sagen, dass sehr vieles aus der Astrologie sehr sehr genau zutrifft, auf jeden Fall was mich betrifft, und das finde ich einfach krass und interessant. Aber andererseits würde ich jetzt auch nicht mein ganzes Leben danach ausrichten, was gewisse Sternzeichen zu sagen haben.


Deine beste Freundin ist Tätowiererin, richtig? War dein erstes Tattoo damals von ihr?


Ich habe nur Tattoos von ihr. Ach nein, vor kurzem habe ich ein Tattoo von ihrem Arbeitskollegen bekommen. Mein erstes Tattoo war ein Fischskelett am Arm. Beim Tattoo Roulette habe ich was gezogen und dann musste ich mir das stechen lassen. Ich will mir gerade mir voll gern einen Drachen im Traditional-Style über den gesamten Arm stechen lassen, so, dass der Kopf ein bisschen bei der Hand rausguckt. Ich bin mich noch nicht hundertprozentig sicher, aber das habe ich schon seit Längerem im Kopf, und das ist ein gutes Zeichen, wenn es mir immer noch gefällt.


Du hast jetzt zwei zusammenhängende EPs veröffentlicht. Also jede Menge Material für potenzielle Liveshows. Kommt da im nächsten Jahr vielleicht was?


Ich hoffe. Es ist noch nichts geplant, aber ich hätte auf jeden Fall mega mega Bock. Und wer weiß? Vielleicht sehen wir uns dann nächstes Jahr.