• Jule Detlefsen

Wenn Konservative Angst vor einem Kleid haben

Dass Harry Styles Geschlechtergrenzen verschwimmen lässt und sich selber in keine Schublade steckt, ist nichts Neues. Jetzt lässt sich der Sänger für die U.S. Vogue in einem langen Abendkleid ablichten und schafft es so aufs Cover der Zeitschrift. Damit ist er der erste Mann, der alleine die Titelseite der berühmten Modezeitschrift ziert.


Viele Fans bejubelt dieses Cover. Andere sind weniger begeistert und fühlen sich persönlich angegriffen. So twittert Ben Shapiro beispielsweise, dass es einen klaren Unterschied zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit gibt und es diesen schon immer gab. Er bezeichnet das Cover als „verweiblichte Männlichkeit“. Doch die Gegenwart damit zu erklären, dass es halt eben schon immer so war, ist ein sehr schwaches Argument. Erinnert fast an Innenminister Horst Seehofer und seine Erklärung zur Ablehnung einer Rassismus-Studie innerhalb der Polizei.


Die rechtskonservative Aktivistin Candace Owens twitterte, dass eine Gesellschaft nicht ohne starke Männer überleben können. Sie fordert „bring back manly men“. Aber was soll das überhaupt bedeuten? Und warum interessieren sich Konservative so sehr für Männer in Kleidern?

Der Begriff Männlichkeit ist im Laufe der letzten Jahre immer wandelbarer geworden.

Männlich zu sein bedeutet mittlerweile weitaus mehr als stark, laut und mächtig zu sein.


Immer noch ist der Mann das Nonplusultra und Sinnbild in unserer patriarchalen Gesellschaft. Für manche mag das auch ein Leitbild sein, an dem sie sich gerne orientieren. Doch für manche Männer passen andere Eigenschaften besser. Zum Glück.

Internalisierter Sexismus ist ein Problem, mit dem unsere Gesellschaft noch lange mit zu kämpfen haben wird. Damit ist die Art von Sexismus gemeint, die wir von klein auf erkennen und durch Erziehung, persönliche Ereignisse oder Medien verinnerlichen. Muster und Konstrukte in unseren Köpfen zu lösen und neu zu denken ist schwierig und verlangt Zeit. Doch es ist notwendig.

Jetzt gilt es uns unseren Privilegien bewusst zu werden und den Begriff von Geschlecht breiter und flüssiger zu machen. Damit sich alle in einer Gemeinschaft wohlfühlen und jede*r akzeptiert wird.


Der Künstler steht über der Kritik und hält an seinen Idealen fest. Auf Instagram postet er ein Bild mit der Caption „bring back manly men“. Solange Männlichkeit bedeutet, dass jeder so sein darf wie er möchte, kann man sich Harry Styles nur anschließen.


Und im Endeffekt geht es auch nur um ein schönes Kleid und es gibt wirklich größere Probleme als Männer in Kleidern.