• Joscha Frahm

PANTHA IM INTERVIEW

PANTHA lässt in ihrer Musik mal eben ganz charmant ihren ganzen Frust heraus. Dabei trifft sie nicht nur lyrisch den richtigen Ton für ihren wirklich miesen Ex-Freund, sondern auch musikalisch bietet die Musikerin eine außergewöhnliche Mischung aus urbanen Hip-Hop-Beats und poppigen und eingängigen Melodien. Darüber legt sich PANTHAs federleichte und extrem lässige Stimme. Die Kombination ergibt einen Sound, der zum Tanzen und zu einem verschmitzten Lächeln animiert.


Im Interview hat Joscha mit der Newcomerin über ihre Debüt-EP "Barfuß" und alle Gefühle redet, die mit so einer ersten Veröffentlichung einhergehen. Außerdem geht es um den schmalen Grat zwischen Kunstfigur und Authentizität, warum Perfektionismus und Toxic Positivity ganz schön anstrengend sein kann und wie ihr arroganter Ex-Freund auf "Richtig scheisse" reagiert hat.


Hi PANTHA, ich freue mich sehr heute mit dir zu sprechen. Am 22.05. ist ja deine EP "Barfuß" erschienen. Wie geht's dir seit dem? Wie war das Feedback?

Also es ist ja so, dass ich die Songs alle schon seit einer Weile kenne. Ich habe dafür schon Musikvideos gedreht und diverse Content für Social Media produziert, also habe ich die Songs schon die ganze Zeit gehört. Für mich ist das ein bisschen so, als würde ich ein Kind in die Welt setzen, das gerade 18 geworden ist. Man weiß, es ist da und ist sehr stolz auf dieses Kind oder dieses Produkt, was man da erschaffen hat, aber irgendwie muss das jetzt auch selbst klar kommen und alleine überleben. Aber ich bin super stolz und super zufrieden und das Feedback ist bisher auch wirklich sehr sehr gut.

Sehr cool. Gab es bei der Arbeit an der EP für dich einen Punkt, an dem du wusstest: Okay, jetzt bin ich fertig, alles ist so, wie ich es haben möchte? Wie perfektionistisch bist du da?

Es gibt ja so viele Parameter, nach denen so was perfekt sein kann, oder nicht. Es gibt Musikvideos, so viele kleine Details und Nuancen, in die man sich mit Perfektionismus hätte stürzen können. Ich bin sehr perfektionistisch, was die Musik als solches angeht, also gar nicht mal unbedingt den Mix, sondern wirklich den Song, die Performance und wie der Vibe davon ist. Sonst habe ich auch eine sehr klare Vorstellung, aber nicht so, dass ich in einen kompletten Perfektionismus verfalle, das würde mich echt in den Wahnsinn treiben. Ich hab ja auch noch ein anderes Leben. Also versuche ich immer alles so gut wie möglich zu machen, sodass ich wirklich zufrieden bin, aber ich finde Perfektionismus tatsächlich sehr schwierig und gar nicht mal so was Gutes. Das wird immer so romantisiert, aber am Ende macht das die Leute, einfach nur kaputt. Natürlich führt das auch zu nem sehr sehr geilen und ausgecheckten Produkt, aber ist trotzdem glaube ich, nicht so gesund.


Stimmt, da geht dann ja bestimmt auch was an Gefühl und Individualität verloren.

Ja genau, gerade wenn man das alles so ganz akribisch machen will, wie man sich das vorstellt, da bin ich einfach nicht so ein Fan von.

Ich finde du hast da auf jeden Fall einen guten Mix aus Perfektionismus und Individualität hinbekommen. Wer ist eigentlich PANTHA? Wie unterscheidet die Kunstfigur von dir?

Die Kunstfigur nähert sich mir eigentlich immer mehr an. PANTHA war mal eine Kunstfigur, aber mittlerweile bin das eigentlich zu 100% ich. Die Songs drehen sich um Sachen, die mich beschäftigen und auch wie ich mich auf Social Media darstelle, das bin schon sehr sehr doll ich. Man kann sich das vielleicht so vorstellen wie einen Lautstärkeregler, den man hochzieht, sodass PANTHA Stück für Stück mehr zu mir wird. Das liegt daran, dass PANTHA mal eine Kunstfigur war, unter dem Namen habe ich ne Zeit lang eher so Rap gemacht, also nicht released. Da dachte ich aber so: ok, das will ich nicht unter meinem eigenen Namen machen und habe sogar überlegt: okay brauche ich noch ne Maske oder so, damit man mich nicht erkennt? Das habe ich dann aber nicht gemacht und das Rap-Projekt hat sich immer mehr in eine poppige Richtung bewegt, und gleichzeitig ist PANTHA auch immer mehr zu mir geworden.

Die Rap-Einflüsse merkt man ja immer noch, zum Beispiel in den Verses in "Nur ein bisschen". Allgemein ist dein Sound ja sehr vielfältig und beinhaltet Pop, Rap, Rock, Jazz und elektronische Elemente. Wie hast du es geschafft, deinen ganz eigenen Sound zu finden?

Tatsächlich ist viel davon meinem Produzenten zu verdanken. Ich hab das Problem beziehungsweise was eigentlich auch geil ist, dass ich super viele verschiedene Genres bedienen kann, weil ich auch sehr lange schon Musik mache. Also ich bin ja mit Klassik aufgewachsen, dann hab ich Jazz gemacht, dann habe ich viel Pop, Rap und R'n'B

gehört, ich hatte mal übel die Reggae-Phase. Weil ich eben so viele verschiedene Einflüsse hab, ist es schwer, da manchmal einen klaren Sound so fahren und nicht tausend verschiedene Sachen die ganze Zeit zu machen. Der Produzent, Alex Isaak heißt der, der hat einen sehr eigenen Produktionssound, also man hört irgendwie, wenn er das produziert hat. Wir haben uns da sehr viel ausgetauscht. Deshalb funktioniert das am Ende dann doch immer, auch wenn ich die ganze Zeit mit neuen verschiedenen Sachen ankomme und auf einmal was Rockiges machen will, dann wieder ne Ballade und so, wo sich die anderen dann auch manchmal denken: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Aber am Schluss kriegen wir's dann immer irgendwie hin.

Du hast mal in einem Interview erzählt, dass du auch auf Englisch schreibst. Warum hast du dich entschieden, jetzt auf Deutsch zu schreiben und zu veröffentlichen?

Das war auch ein langer Prozess, aber ich glaub im Endeffekt einfach, weil es in Deutschland einfacher ist, was mit deutscher Musik zu erreichen als mit englischsprachiger Musik. Sobald man englischsprachige Musik in Deutschland veröffentlicht, steht man mit allen anderen, die das machen in Konkurrenz. Das haben in Deutschland auch nicht so viele Leute geschafft, mit englischsprachiger Musik wirklich erfolgreich zu werden, es gibt Nico Santos, die Scorpions, Lena Meyer-Landrut, viel mehr fällt mir da gar nicht ein. Ich habe auch immer sowohl deutsch als auch auf Englisch geschrieben, deshalb dachte ich mir so, okay, mein eigenes Projekt will ich jetzt auf deutsch machen, was aber nicht ausschließt, dass ich für andere Leute auch auf englisch schreiben werde.

Würdest du sagen, du bist die gleiche Person oder das gleiche lyrische ich, wenn du auf deutsch bzw. englisch schreibst?

Also das ist auf jeden Fall das gleiche lyrische Ich. Oder beziehungsweise ich denke da gar nicht so über lyrisches Ich oder so nach, sondern lass es einfach rausflowen


Wer sind so deine größten musikalischen Vorbilder?

Boah, das ist immer so ne Frage, wenn ich das gefragt werde und später nochmal darüber nachdenke, denke ich mir immer so: hätte ich mal lieber das und nicht das gesagt. Aber ich würde sagen, momentan sind meine Top 3 Upsahl, die ist so krass, Bruno Mars, auch ein Ding, und sonst tatsächlich so Jazz-Leute wie Ella Fitzgerald zum Beispiel.

Du besingst ja in deiner EP eine unglückliche Beziehung. Inwiefern hilft dir Musik mit so einer Erfahrung umzugehen?

Zu 1000%. Ich hab in Musik schon immer irgendwas verarbeitet. Wenn ein Song fertig ist, fühlt es sich so an, als würde eine riesige Last von mir fallen. Dann ist das verarbeitet und aus dem System. Das sagen voll viele, aber das ist auch wirklich wie so eine Schnell- Therapie. Aber eine sehr effektive, was natürlich sehr sehr cool ist.

Wie kann man sich das genau vorstellen? Liegt dir dann etwas schon länger auf dem Herzen und du schreibst das dann in einer Session runter? Wie war das zum Beispiel bei "Richtig Scheisse?“

Also in dem Fall war das wirklich so. Ich war zu dem Zeitpunkt, wo ich den Song geschrieben hab, zwar schon lange drüber weg und es war eigentlich alles cool. Aber ich dachte die ganze Zeit so: das ist so unfair, das die Person jetzt einfach - das hört sich voll bescheuert an - einfach so mit richtigen scheiß Aktionen ungeschoren davon kommt. Das hat mich richtig beschäftigt und so sauer gemacht, weil ich dachte mir: Wie kann man denn so ein Arschloch sein? Ich fand es also wirklich einfach richtig Scheisse (lacht). Dann musste das einfach einmal raus. Da finde ich eigentlich einen Song, dann noch ne ganz charmante Art und Weise damit umzugehen.

Auf jeden Fall. Glaubst du dein Ex-Freund hört sich deine Songs an?


Auf jeden Fall. Das Ding ist auch, dass seine große Schwester eine meiner besten Freundinnen ist. Ich hab dem tatsächlich auch vor dem Release ne Memo geschickt und gesagt: Hey, da kommt ein Song raus, da stehst du in keinem guten Licht da. Seine Antwort darauf war: Tu, was dich glücklich macht. Da dachte ich mir so: Du arroganter Sack, dann ist ja alles klar (lacht).

Du stellst mit deinen Texten ein sehr gutes Vorbild dar, sich aus einer toxischen oder unglücklichen Beziehung zu befreien. Wie hast du es geschafft, zu diesem Punkt zu kommen?

Ich glaub, das sind zwei Punkte und zwar einmal, dass ich Sachen viel leichter in Songs sagen kann, die ich Leuten so nie direkt sagen würde. Also ich würd ja niemals zu meinem Ex-Freund hingehen und sagen, du, ich find dich richtig richtig scheisse. Aber in nem Song funktioniert das dann irgendwie, ich weiß auch gar nicht so genau wieso. Die andere Sache ist, dass ich Toxic Positivity super anstrengend finde. Man kann einfach nicht jeden geil finden und dieses "wir sind alle so geil und verstehen uns so gut" regt mich richtig auf. Klar man soll kein Arschloch sein, aber es ist voll wichtig und okay, dass man Leute auch blöd finden kann. Man kann ja nicht die ganze Zeit rumlaufen und Leute pleasen und alles machen, was andere Leute geil finden, weil dann wird man erstens selber nicht glücklich und zweitens kann einen einfach nicht jeder geil finden. Ich find auch Leute kacke, auch wenn die gar nichts machen find ich manchmal Leute blöd, weil die nicht mit mir auf einer Wellenlänge sind.

Da muss man ja dann auch nicht immer bei sich den Fehler suchen und sich fragen: Warum mag mich die Person nicht?

Ja und es ist doch auch einfach total egal. Ich kann mich noch an eine Situation erinnern, da saßen wir im Auto und ich hab so halb geschlafen, weil es war irgendwie so 3 Uhr nachts und ich hab aber noch so halb zugehört. Da haben sich vorne zwei, mit denen ich

gearbeitet habe, unterhalten und der eine meinte, er weiß nicht, ob er es so geil findet, dass ich zum Beispiel in "10 Dinge" sage, dass ich jemanden hasse. Ich habe da lange drüber nachgedacht, ich glaube so vor einem Jahr hätte ich auch gedacht, stimmt, das ist voll wichtig, niemanden zu hassen. Aber dann hab ich so gedacht: Musik ist doch einer der wenigen Orte, an dem man zu 100% frei sein kann. Ich lass mir doch nicht in meiner Musik den Mund verbieten, weil mich auf einmal alle Leute toll finden sollen, Nee.

Was würdest du dich gerne trauen?

Haha, eigentlich alles. Also auch so konkrete Tagesaufgaben: Livespielen, alles, was meinen Job betrifft. Im Prinzip alles, wo ich das Haus verlassen muss. Ich bin da ein ziemlicher Schisser. Deswegen stehe ich mir häufig auch selbst im Weg. Mir fällt es schon schwer, mich immer wieder aus meiner Komfortzone heraus zubewegen, aber das geht ja auch mit dem Job einher. Ich weiß aber auch wenn ich die ganze Zeit in meiner Komfortzone bleibe, ist das auch nicht gut. Ich kann, glaube ich, nur glücklich sein, wenn ich aus dieser Komfortzone rausgehe, und zwar so weit, wie es irgendwie geht, und dann wieder zurück kann.