• selliha

Lina Maly im interview

Ein paar Tagen vor dem Release von "Nie zur selben Zeit" durfte ich Lina Maly zum Zoom-Interview treffen. Das Album ist das Erste, welches über ihr eigenes Label veröffentlicht wurde. Sie selbst erklärt, dass dies ein Befreiungsschlag in Bezug auf die gesamte Produktion war. So konnte das Album genau so werden, wie sich die Künstlerin sich es vorgestellt hat - sanft, tiefgründig und einfach echt.


Im Interview erzählt Lina außerdem, was sie am Zusammenhalt unter Frauen so liebt, warum ihr Bauchgefühl doch die richtigen Entscheidungen trifft und wieso ein Winter in Leipzig so prägend für das Album war.


Hey Lina, wie geht's dir so kurz vor der Veröffentlichung deines jetzt schon dritten Albums „nie zur selben Zeit“?


Ich bin extrem aufgeregt und es wird auch wirklich nicht besser mit den Jahren. Wobei ich wahrscheinlich bei meinem Debüt-Album am aufgeregtesten war, aber es sind natürlich viele Wünsche und Ängste mit diesem Tag verbunden. Und es sind ja wirklich nur noch zwei Tage.


Was für Wünschen und Ängste meinst du denn konkret?


Vor allem, dass mein Album und die Texte verstanden werden. Dass die Produktion den Leuten gefällt, weil das ja mein erstes Album ist, welches ich wirklich selbst produziert habe. Und Ängste sind ganz klar, dass es niemanden interessiert (lacht) und es in den Kritiken zerrissen wird, aber ich glaube eigentlich nicht daran.


Du hast es ja gerade selbst schon angesprochen. Das war dein erstes Album, was du komplett selbst produziert hast, was hat sich denn im Bezug zu deinen vorherigen Alben für dich verändert und vor allem was hat sich geändert, seit du nicht mehr beim Label bist? Und wieso bist du diesen Schritt gegangen?


Ich fang mal an mit dem Label: Ich habe mir das leider nicht selbst ausgesucht, sondern wurde von Warner gegangen, wenn man das so sagen kann. Das war deren Entscheidung, dass die Zusammenarbeit an der Stelle nicht mehr weitergeht. Aber es war wirklich die beste Entscheidung - auch für mich, weil ich ein eigenes Label gegründet habe. Ich habe auch schon meine beiden letzten EPs darüber veröffentlicht und jetzt das Album. Und klar hängt für mich jetzt viel mehr daran, weil ich jetzt auch noch zusätzlich CEO bin und nicht nur Künstlerin.

Mein Team und ich hätten natürlich auch zu einem anderen Label gehen können, aber wir haben mit Absicht gesagt, wir probieren das mal aus und gucken, wie viel die Fans mitmachen und ob man die trotzdem erreicht. Bei den EPs hat das gut funktioniert und deswegen haben wir das Album jetzt auch darunter veröffentlicht. Für mich war das auch super, dass ich eine Förderung bekommen habe, wodurch das Album finanziert werden konnte. Ich hab jetzt auch viel mehr Verantwortung und viel mehr Entscheidungen getroffen als vorher. Ich hab meine Videos jetzt auch zum Großteil selbst gedreht und es ist jetzt viel mehr dieses Do it yourself Ding geworden, was viel schöner ist, weil ich schon eher der Typ dafür bin, alles im kleineren, familiäreren Kreis zu machen. Das macht einen total kirre, wenn einem so viele verschiedene Menschen sagen, was man anders machen soll und alle haben unterschiedliche Meinungen und man selbst steht dazwischen und weiß gar nicht mehr, was die eigene Meinung war. Zum Teil war das echt hart für mich.

Was die Musik angeht, habe ich diesmal wirklich niemanden gehabt, der mir da irgendwie reingeredet hat. Ich habe alle Texte selbst geschrieben und die Musik zusammen mit Florian Sievers zusammen produziert. Ich kannte das von den Alben davor nur so, dass ich Sachen ans Label geschickt habe und dann Feedback kam und dann musste man sich damit auseinandersetzen, ob die das gut finden oder nicht, weil die ja Geld investiert haben. Und diesmal war das alles so einfach und unkompliziert, – total komisch.


Du musstest eben deine Entscheidungen nicht nochmal in die Hände von jemand anderem übergeben und konntest einfach selbst entscheiden.


Ich hatte auch den Freiraum, mir meine Meinung zu bilden und früher wollte ich eben auch dem Team von Warner gefallen. Ich bin da auch eher der konfliktscheue Typ und ich hatte da dann auch keine Lust, Konflikte zu hören und ich habe dann teilweise für Songs, die mir viel bedeutet haben, auf meinen letzten beiden Alben total kämpfen müssen, was auch ein total blödes Gefühl war. Ich habe mich immer gefragt, wieso reicht das nicht? Du bist in meinem Team und wieso ist das jetzt nicht gut genug? Das ist wirklich total schön, dass das jetzt nicht mehr so ist.


So hört es sich auch an, ich finde, man merkt richtig, wie frei du jetzt darüber sprechen kannst und wie glücklich dich das macht.


Ja, ich glaub manchmal merkt man erst, wie „unterdrückt“ oder beeinflussbar man war, wenn der ganze Druck von einem abfällt. Ich habe mich wirklich super befreit gefühlt, das ist ganz seltsam. Während ich bei Warner war, habe ich mich trotzdem nicht stark eingeschränkt gefühlt, weil ich gar nicht wusste, wie es sein kann. Ich wurde mit 15 Jahren bei Warner gesigned, ich kannte das wirklich einfach nicht anders und jetzt ist es einfach nur schön.


Für mich ist persönlich „nie zur selben Zeit“ ein Track gewesen, der mich sofort gecatched/abgeholt hat. Wieso hast du dich denn entschieden, dein Album nach dem Track zu benennen? Gab es einen speziellen Grund dafür?


Ich hab viel über den Albumtitel nachgedacht, mir ist das immer sehr wichtig. Das war tatsächlich das erste Lied, das Flo und ich zusammen gemacht haben. Das war die erste Session und deswegen bedeutet der Song uns beiden sehr viel. Und das Thema Zeit kommt viel auf dem Album vor, also sowohl in „Wo sind die Jahre hin“ als eben auch in „Nie zur selben Zeit“. Generell ist das ein riesiges Thema für mich. Ich denke wirklich sehr viel über die Zeit nach. Manchmal ist es irgendwie schön und manchmal macht es mich auch fertig, darüber nachzudenken. Und deswegen fand ich das so schön, mein Album „Nie zur selben Zeit“ zu nennen. Geht ja auch viel um Liebe und vor allem unerwiderte Liebe und ich habe mich in der Zeit total unglücklich verliebt und es ist eben auch ein autobiografisches Album. Ich habe mich auch sehr stark an der Zeile „vielleicht lieben wir uns ja, aber einfach nicht gleichzeitig“ festgehalten und das zieht sich durchs komplette Album.


Du hast ja „Schmerz vereint“ jetzt schon vor einigen Wochen released. Ich glaube, das ist der Track, der für deine Hörer:innen sehr emotional war. Kannst du unseren Leser:innen einfach mal sagen um was es in dem Track geht?


In dem Song geht's um sexualisierte oder sexuelle Gewalt und ich habe selbst Erfahrungen damit machen müssen. Ich habe das Lied als therapeutische Maßnahme geschrieben, da musste einfach was raus bei mir. Ich habe mich lange schwergetan, ob ich das teilen möchte oder es mir zu persönlich ist darüber zu sprechen. Dann habe ich den Song weitergeschrieben und darin gibt es nach zwei Dritteln des Liedes einen Bruch, dass es dahingeht wie vereinend der Schmerz wirklich sein kann. Es nimmt den Schmerz zwar nicht weg, aber es hilft Betroffenen, wenn sie darüber sprechen oder wie es sich anfühlt nicht alleine zu sein und es einem total Hoffnung gibt. Dann habe ich gedacht, dass wenn ich den schreibe, hilft er vielleicht auch anderen Betroffenen und hat mich das total motiviert den Song aufzunehmen und zu veröffentlichen. Das war eine super emotionale Reise und einer der schwierigsten Songs zum Aufnehmen und Produzieren, aber ich bin wirklich sehr froh wie er geworden ist.


Das kann ich mir gut vorstellen, ich fand das beim Hören auch so krass wie sehr einen der Song verletzlich macht. Wie war die Resonanz die du zu dem Song bekommen hast? Hat es dich positiver gestimmt, dass du den Song veröffentlicht hast?


Ich habe von einigen Betroffenen gehört, dass Sie sich sehr verstanden gefühlt haben und es Ihnen Kraft geschenkt hat und mehr brauchte ich gar nicht zu hören. Da war ich dann direkt bestätigt, selbst wenn mir nur eine Person geschrieben hätte, hätte ich gewusst es war die richtige Entscheidung.

Ich dachte auch als ich dann als ich den Song veröffentlich habe, das sollte wirklich kein Tabuthema sein. Auch das ich so lange darüber nachgedacht habe, ist ein Zeichen, dass es total wichtig ist den Song zu veröffentlichen, weil es gibt so viele Leute die genau dieselbe Hemmschwelle haben wie ich bei dieser Thematik. Aber ich habe wirklich nur Verbundenheit gespürt nachdem der Track draußen war.


Ich glaub es dir sofort. Es passiert glaube ich viel mehr Leuten als man denkt und man spricht auch selten bis nie darüber und mit der Musik kann man sich besser ausdrücken als mit Worten. Es war ja auch wie du schon erwähnt hast auch für dich eine Therapiemaßnahme.

Fotocredit: Antje Burchert

Du hast auf deinem letzten Album ja schon einen Track mit Disastar aufgenommen und auf diesem jetzt wieder. Wieso ist es der Song „Jeder weint“ geworden? Habt ihr den zusammengeschrieben oder hast du den geschrieben dann gedacht, es wäre cool nochmal ein Feature mit ihm zu machen?


Ich hatte den Track vorher fertig und habe ihm dann den Song gezeigt und da ist mir dann auch aufgefallen wie gerne ich ihn nochmal auf dem Album hätte. Ich finde das Thema toxische Männlichkeit auch wahnsinnig spannend und interessant. Sprich, dass Männer sich von ihrer sensiblen Seite zeigen und er kann das eben extrem gut und schämt sich auch nicht dafür und genau deswegen hab ich auch gedacht als ich "jeder weint" geschrieben habe, habe ich an alle gedacht und nicht nur an Frauen. Alle Menschen auf der Welt weinen und deswegen fand ich das sehr passend, dass er den Song als Mann gefeatured hat.


Wir hatten auch auf seinem letzten Album einen Track zusammen und ich habe alle seine Backingtracks gesungen und wir haben auf alle Fälle schon einige Songs zusammen aufgenommen.


Ich muss schon auch sagen, es passt auch einfach gut. Das hat für mich auch so einen kleinen musikalischen Stilbruch bei euch beiden.


Ihr singt in dem Song auch die Zeile:

"Dabei bin ich nicht allein, heimlich sind wir viele, denn jeder, jeder weint"

Irgendwie find ich die Zeile sehr passend auf viele deiner Lyrics, du besingt vor allem in diesem Album viele Themen die im alltäglichen Leben oft unausgesprochen bleiben oder tabuisiert werden, wie z. B. weinen, Schwäche zeigen, toxische Männlichkeit, Opfer von sexueller Gewalt sein.

War das für dich auch ein Ziel von dem Album oder hat sich das einfach so ergeben?


Ich habe wirklich noch nie ein Konzept gehabt bevor ich ein Album geschrieben habe. Auf dem Album sind so die letzten zwei Jahre gelandet, alles was mich bewegt und berührt hat. Ich habe versucht, dass möglichst viele unterschiedliche Aspekte auf das Album kommen. Logischerweise habe ich natürlich viel mehr Songs geschrieben als jetzt am Ende darauf sind. Vor allem habe ich viele Liebeslieder geschrieben die alle sehr ähnlich waren und das hat dann aber auch gereicht drei davon aufs Album zu packen. Mir war es wichtig unterschiedliche Perspektiven und Themen auf dem Album zu vereinen, dass sich alles nicht zu sehr wiederholt. Ich finde allgemein Tabuthemen total interessant und finde es wichtig darüber zu reden. Die Songs sind eben mein Weg. Ich kann nicht so gut darüber reden, deswegen singe ich lieber darüber.


Wenn du dein Album und den Prozess bis hierher in drei Wörter fassen müsstest, welche wären es?


Persönlich, Leipziger Winter und experimentell.


Wieso Leipziger Winter? Weil ihr das im Winter geschrieben und aufgenommen habt?


Genau wir haben das im Leipziger Winter alles aufgenommen.


In welchem Studio wart ihr?


Ich war bei Flo Sievers, das ist auch kein riesiges Studio sondern einfach ein Raum mit ganz viel Equipment, kleines Schlagzeug, Klavier, ne Couch und ein Rechner. Da bin ich dann immer hingefahren und da haben wir den ganzen Tag lang über Monate hinweg immer Musik gemacht und uns ausprobiert.


Wie lang hat es gedauert bis ihr alles fertig hattet? Du hast gemeint so ca. 2 Jahre für alles, aber wie lange hat der Prozess des Aufnehmens gedauert?


Genau ich habe zwei Jahre lang immer mal wieder an den Songs geschrieben. Die Produktion an sich hat ungefähr 5 Monate gedauert.


Ist es dir leichter oder schwerer gefallen als bei den anderen Alben?


Das ist schwer zu sagen, weil es was komplett anders ist, wenn du alles selbst machst. Ich hatte auch echt viele Skizzen schon vorproduziert zu Hause alleine in meinem Studio in Berlin und deswegen hatten wir auch schon eine Grundlage. Bei den anderen Alben hatte ich oft keine Grundlage, sondern nur den Song an sich. Ich konnte die Ideen so viel schlechter ausdrücken, weil es gibt ja so viel technisches Wissen und da sagen zu können was man meint ist gar nicht so einfach. Also ob ich jetzt einen Spring reverb auf der Stimme haben will oder nicht war nicht so einfach zu sagen. Ich musste mir da immer Reverenzsongs suchen, z. B. ich will klingen wie Nora Jones auf dem und dem Song, aber nur wie bei dem Part des Songs. Und das hat alles ziemlich kompliziert gemacht und ich musste dem Produzenten viel mehr vertrauen als jetzt. Außerdem hab ich viel mehr die Verantwortung und ich konnte Entscheidungen einfach alleine treffen.


Die Frage ist jetzt eher etwas struktureller:

Wieso hast du dich vor deinem Album schon entschieden eine EP mit den Songs zu veröffentlichen? Also wieso hast du die 5 Songs schon in eine EP gepackt?


Das macht man inzwischen einfach so, nennt sich Waterfall Release und das machen inzwischen alle so. Das ist eben einfach eine strukturelle Maßnahme und wird bei den Streamingdiensten automatisch so angelegt und war keine Idee von mir.


Ist es dir eigentlich schwergefallen auszuwählen welche Singles du vor dem Album veröffentlichst?


Ja auf jeden Fall, ich habe sehr sprunghaft dann auch wieder gewechselt. Hin und her und nochmal hin und her. Ich wollte am Anfang „Schmerz vereint“ nicht als Single veröffentlichen und dann bin ich eines Morgens aufgewacht und hab gedacht der Song ist viel zu wichtig – der muss auf alle Fälle eine Single werden. Und alle waren so: Oh Lina, wir haben die nächste Single schon.

Und dann mussten wir alles wieder auf Links krempeln und sagen: Ne, komm wir machen das jetzt so. Dann hab ich spontan mit einer Freundin noch das Video dazu gedreht, was ich selbst geschnitten habe. Das ist zum Beispiel auch ne schöne Sache, daran das es jetzt mein Label ist, dass ich so was einfach so spontan machen kann und auf mein Bauchgefühl hören kann. Klar kann ich mein Team auch nicht überstrapazieren, aber ich hatte trotzdem die Möglichkeit zu sagen, ja ich will trotzdem eine andere Single haben. Die Auswahl ist mir wie gesagt sehr schwergefallen. Außer die Liebe blüht, der ist mir sehr leichtgefallen, weil ich das einen schönen Auftakt fand, aber alle anderen fand ich sehr schwer.


Das kann ich mir gut vorstellen, ich könnte mich da wohl auch kaum entscheiden. Du meintest ja, dass ihr die Musikvideos alle selbst gedreht habt und ich fand vor allem das Video zu „Ich fall“ voll schön. In dem Video sieht man ja eine Freundin, hast du den Song wegen einer Freundschaft geschrieben oder war das auf die Liebe bezogen?


In dem Video gehts nicht um ne Freundschaft, es geht da schon auch um die Liebe. Ich habe den Song darüber geschrieben wie frustrierend es sein kann, wenn man sich jemandem öffnet - was für mich auch nicht so leicht ist. Wie frustrierend es sein kann, wenn das Gegenüber es einfach nicht erwidert. Und man denkt sich so:

Puh jetzt hab ich mich so krass geöffnet und dir alles gegeben und jetzt steh ich vor dir und denk: Hmm war wohl wieder nichts – die Suche geht weiter, herzlichen Glückwunsch. (lautes Lachen, hahaha)


Also ja ist auf jeden Fall über Liebe. Aber ich mag es auch ganz gerne, dass so offen zu schreiben das man das auf viele Bereiche herunterbrechen kann, also der Song geht bestimmt auch anzuwenden auf Freundschaft.

Die Frage ist jetzt vielleicht bisschen schwierig zu beantworten, aber wenn du einen Song vom Album benennen müsstest, der dir voll am Herzen liegt oder zu dem du eine krasse emotionale Bindung hast, welche wäre das?


Mir liegt vor allem „Wo sind die Jahre hin“ sehr am Herzen. Ich habe den Song über eine Verwandte geschrieben, die ich nur einmal getroffen habe als ich Teenagerin war. Die kam aus Amerika und die kam zu uns in den Garten, ich saß da und müsste so 14 oder 15 Jahre alt gewesen sein. Sie war krank und hatte das zweite Mal Krebs und hat mir ihre komplette Weisheit und alles was sie so in ihrem Leben erlebt hat, sie wurde sehr viel unterdrückt von ihrem Mann, alle ihre Weisheiten und Sorgen die sie hatte, hat sie mir gegenüber so schön formuliert und meinte:

Lina lass dich niemals von Männern unterdrücken, hör immer auf dein Herz!


Und das war halt wirklich nicht floskelhaft gemeint, sondern sehr ernst und ich wusste auch einfach ich sehe sie nie wieder. Ich wusste sie fliegt wieder zurück nach Amerika und das wars jetzt, dieses eine Gespräch. Ihr war das alles so wichtig, dass sie mir das mit auf den Weg gibt und ich weiß noch das wir unsere Hände gehalten haben und das ihre Hand ganz alt aussah, sie aber wunderschöne Frau war. Sie hatte ganz zarte Finger und hat meine Hand genommen und dann hab ich gemeint wie schön ihre Hand ist und sie meinte ja aber die sei so alt. Dann hat sie daraufhin über alte Zeiten nachgedacht und mir ganz viel erzählt und ich habe es nie geschafft diesen Moment in ein Lied zu packen und jetzt ist es mir zum ersten Mal gelungen. Also „Wo sind die Jahre hin“ ist wirklich zu 100 %, genauso passiert, alles was ich da singe.


Krass, das hätte ich wirklich gar nicht erwartet bei dem Song. Also ich finde den richtig schön und vor allem den perfekten Abschluss für das Album, aber die Geschichte dahinter zu hören ist super spannend und sehr berührend. Danke fürs Teilen!


Das war wirklich richtig krass für mich und wie oft ich daran zurückdenke, habe ich erst viel später begriffen. Sie hat mir wirklich so viel mit auf meinen Weg gegeben. So richtig schön!


Last but not least hab ich noch eine Sache:

Wenn du unseren Leser:innen noch etwas mit auf den Weg geben magst, wäre jetzt der Zeitpunkt dafür. Falls du irgendwas hast, was du gerne loswerden möchtest, here you go. Sei es jetzt auf dein Album bezogen oder irgendein Ratschlag.


Also unabhängig davon, kann man ja vielleicht mal noch auf meine Tour kommenden Februar hinweisen ;-)


Aber ein Ratschlag, den ich habe, wenn es dir schlecht geht wende dich an jemanden – rede über deine Probleme! Ich bin zum Beispiel jemand, ich kann super schlecht über meine Probleme reden und ich brauchte meine beste Freundin die mir irgendwann gesagt hat: Rede über deine Probleme, sag mir was los ist!

Und ich weiß nicht jeder hat diese Person, aber irgendjemanden gibt's immer und man muss über seine Probleme reden, denn sie gehen nicht von alleine weg.

Ich finde, das ist ein super guter letzter Ratschlag. Dafür finde ich kannst du in deinen Songs sehr gut über deine Gefühle sprechen.


Ja, das kann ich sehr gut. Über Gefühle kann ich auch inzwischen echt gut reden, aber über Probleme eher nicht so. Wie wir in unserer Gesellschaft nicht darüber sprechen, wenn‘s uns schlecht geht.


Das sind eben alles noch Tabuthemen in unserer Gesellschaft und ich habe aber das Gefühl, dass es langsam, also wirklich ganz langsam so in dieser Aufbruchsphase ist wo es Step by Step besser wird und mehr und offener über solche Themen gesprochen wird.


Ich finde vor allem so in Frauencommunitys, selbst bei Social Media ist das echt schön mit anzusehen. Alleine das es Begriffe wie Fatshaming und Body Positivity gibt. Sehr, sehr schön das alles mitzubekommen und irgendwie auch ein Teil davon zu sein.


Ich finde es ja auch total schön, dass du in den letzten Wochen für deine Albumpromo immer wieder Fotos mit befreundeten Musikerinnen gepostet. Da hat man echt das Gefühl, dass ihr euch gegenseitig gerne supportet und füreinander da seid. <3


Ja, das ist auch wirklich so! Ich habe mal mit einer älteren Musikerin aus Berlin gesprochen, die gesagt hat, dass sie den Umbruch total mitbekommen hat, vor allem innerhalb von Frauengruppen. Man freut sich einfach für die anderen in der Community und es ist voll schön, dass es immer mehr Musikerinnen auf den Bühnen gibt und nicht nur als Frontfrauen sondern auch als Band.


Das ist so schön mit jemandem darüber reden zu können wie z. B. Managements Frauen unterdrücken und wie dieses Machtgefüge gegenüber Frauen noch ausgenutzt wird. Es ist richtig gut dann Freundinnen zu haben mit denen man sich darüber austauschen kann und die sagen einem dann das man das ändern muss, weil man sich nicht nach denen richten sollte, sondern einfach selbst für sich einstehen sollte. Richtig gut, wenn man jemanden hat der einen da wachrütteln kann.


Ich bin wirklich super froh so einen tollen Freundeskreis zu haben, ich kenne so viele Künstler:innen und Musiker:innen, die mich echt großartig supporten.


Vielen Dank dir Lina, das war wirklich ein sehr schönes Interview!


Lina Maly ist nicht nur in ihrer Musik feinsinnig, auch im Gespräch merkt man ihr ihre sanfte Ader sofort an und fühlt sich gleich geboren und gesehen. So wie in ihren Texten auch. Sie erzählt echte Geschichten und scheut nicht davor, sich verletzlich zu zeigen und Schmerz zuzulassen. Lina Maly ist damit ein absolutes Vorbild für junge Mädchen. Fast wie eine große Schwester, die immer einen guten Rat parat hat und einen bei Bedarf tief in ihre Arme schließt.