• Dominik Kotzur

leichter//kälter - edwin rosen

„Deine Lippen sind Lila wie die Blumen, die ich dir nie kauf“

Bizarre Lyrics, energiegeladene Drums und eine tiefe, leicht verzerrte Stimme begleiten Edwin Rosens Debütsingle leicher//kälter. Der Song lädt förmlich dazu ein, mit unkontrollierten Tanzschritten und Handgefuchtel die Tanzfläche im Club unsicher zu machen - oder auch einfach alleine unter der Dusche mit der maximalen Lautstärke der schon ein wenig abgeranzten Musikbox abzudancen.


Nach der Veröffentlichung letztes Jahr ist seine Single direkt auf meiner Playlist: „Songs, die ich auf Dauerschleife höre“ gelandet. Ihr kennt ihn noch nicht? Dann habt ihr definitiv was verpasst. Der Newcomer hat bisher fünf Singles veröffentlicht, die alle zugleich durch ihre Ähnlichkeit und Verschiedenheit den Musikstil des noch eher unbekannten Sängers einzigartig machen.


Leider hat er noch nicht viel über sich selbst verraten. Er mag skaten, 80er-Jahre Musik, oversized white tees und auf Spotify bezeichnet er seine Musik als „neueneuedeutschewelle“. Was es damit wohl auf Sicht hat? Keine Ahnung, aber eins ist sicher: Sein Song leichter//kälter bringt definitiv frischen Wind in die deutsche Musikszene. Die schnellen elektrischen Drums, die leichte Präsenz der E-Gitarre im Hintergrund untermalen die melancholischen Lyrics des Songs. Der Song löst bei mir ein Gefühl von Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus. Ein Gefühl vom „Einfach Wegsein und 'mal abschalten“.


Flackernde Lichter einer Straßenlaterne, verschwommene Gassen und das vereinzelte Motorrauschen eines vorbeifahrenden Nachtbusses - diese Bilder einer nächtliche Stadtidylle weckt das Lied in mir. Mittendrin sitze ich mit meinen Freunden auf einer verlassenen Parkbank. Es ist 4 Uhr morgens, die Dämmerung ist noch weit entfernt. Wir laden unsere kleine Musikbox mit den letzten Tropfen Energie der Powerbank, die ich aus meiner Bauchtasche kramen konnte. Gelegentlich wird das Bild durch den Blitz einer Einwegkamera unterbrochen. Wir tanzen, trinken und genießen die gemeinsame Zeit, bis der Tag die Nacht unterbricht und alle wieder ihren eigenen Weg gehen - Bilder einer unbeschwerten, leichten Zeit. Der Song erzählt eine Kurzgeschichte, die für jeden Einzelnen außergewöhnlich und anders ist.


Der vom Synth-Pop und Post-Punk inspirierte Musikstil des Sängers wirft mich ein paar Jahrzehnte mitten in die deutsche Clubszene der 80er-Jahre zurück. Schwungvolle Synthesizer und packende Beats geben dem Song eine energiegeladene Dynamik, die Gänsehaut verleiht und geradezu mitreißt.

Vor knapp einer Woche veröffentlichte der Sänger seine fünfte Single Verschwende deine Zeit und bleibt auch hier seinem Musikstil treu. Vielleicht dropped er dieses Jahr sogar noch sein erstes Album und hoffentlich erfahren wir dann auch mehr über ihn selbst und was es eigentlich mit der „neuenneuendeutschenwelle“ auf sich hat.


Er hat bei mir aber jetzt schon definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Edwin Rosen ist ein Newcomer, von dem wir bestimmt noch einiges hören werden. Der nahezu sphärische Klang, die elektrischen Drums und der 80er Jahre Vibe seiner Musik erschaffen eine Atmosphäre, die ich kaum erwarten kann, live mitzuerleben.