• Jule Detlefsen

ILAYDA IM INTERVIEW

Dass die junge Berliner Ilayda das erste Mal ein richtiges Tonstudio betrat, ist noch gar nicht so lange her. Doch dies sollte der Start einer vielversprechenden Karriere sein. Seit knapp einem halben Jahr veröffentlicht die Musikerin ihre Songs und stand erst vor Kurzem für die britische Künstlerin Mimi Webb als Support-Act auf der Bühne.


Ganz schön krasse Sprünge, die die Künstlerin in so kurzer zeit hingelegt hat. Doch ihre Ziele sind groß und die Reise noch lange nicht vorbei. Im wirklich lieben Interview mit Flutwelle erzählt Ilayda, wie es ihr während ihres Karriereaufschwungs ergangen ist und was alles so zum Musikerin-Dasein dazugehört. Das Interview wurde schnell zu einem lebendigen Gespräch zwischen uns. Es fühlte sich fast so an, als würde man mit einer guten Freundin einen Kaffee trinken. Vielleicht ja sogar in der Wohnzimmer Bar hier in Berlin - warum genau dort, erfahrt ihr im Interview.

Du hast letztes Jahr deine erste offizielle Single veröffentlicht. Du hast aber bestimmt schon vorher viel Musik gemacht, oder?

Also Musik habe ich schon immer gemacht, das Singen und das Songwriting kam dann erst vor drei Jahren dazu. Die Songs, die gerade alle rausgekommen sind, sind die ersten Songs, die ich professionell geschrieben und aufgenommen habe. Davor habe ich aber selber auch schon geschrieben - das hat sich natürlich alles ganz anders angehört - ich habe ein paar Akkorde auf dem Klavier gespielt, aber ich habe noch nie etwas professionell aufgenommen.

Also war das ganz neu für dich im Studio zu sein?

Ja, es war auch richtig komisch, weil es sich plötzlich alles um mich gedreht hat. Alle haben auf mich eingeredet und dann hieß es auf einmal: „Wir schreiben jetzt diesen Song!“

Wie ist es dazu gekommen, dass du auf einmal gesagt hast: „Ok, jetzt wird’s professionell“ ?

Ich wollte das eigentlich schon immer. Als Kind hatte ich den Traum, Sängerin zu werden. Ich habe dann auf Instagram verschiedene Covers gepostet - die sind jetzt alle archiviert. Dann hat mir jemand per DM auf Instagram geschrieben, ob ich Lust darauf hätte, mal ins Studio zu gehen. In dem Moment dachte ich, dass “ins Studio gehen” so viel bedeutet, wie vor Ort ein Cover aufzunehmen und wieder zu gehen. Ich habe niemals daran gedacht, dass ich einen Song schreiben werde. Plötzlich und super planlos stand ich das erste Mal im Studio und habe mit dem Produzenten gequatscht, mit dem ich später das erste Mal angefangen habe, richtig Songs zu schreiben. Es war einfach voll surreal. Deshalb muss ich schon sagen, dass Instagram mir da einen Schubser in die Szene verpasst hat.

Ach krass! Aber kanntest du den Produzenten damals denn noch gar nicht? Bist du da einfach so reingestolpert?

Ja, mir wurde auch nur die Adresse geschickt und sie hat mir geschrieben: “Kannst da ja mal hingehen, ist ein guter Freund von mir.”

Wow, das kann auch mega sketchy sein (lacht).

Ich habe auch meiner Mama meine Live-Location geschickt und ihr Bescheid gesagt, dass ich ins Studio gehe und ihr schreibe, wenn ich wieder raus bin. Hätte auch wirklich etwas Komisches sein können, aber war es zum Glück nicht.


Nice.. entweder nehme ich jetzt einen Song professionell auf oder ich werde gekidnappt. Eins von beiden wird passieren.

Ist so! Ich glaube, die, die mir geschrieben hat, macht auch YoutTube-Videos und war oder ist eine Moderatorin. Sobald Menschen eine höhere Reichweite haben, dann denkt man direkt, dass es stimmen muss. Aber ist zum Glück alles super und nicht sketchy verlaufen und ich lebe noch.

Ein Glück.... knappe Kiste (lacht) und dann ging das auf einmal los für dich in der Musikwelt?

Voll. Ich fand das auch richtig komisch. Das waren auch meine ersten Schritte in der Musikwelt und das Gefühl, mit Songwritern zusammenzuarbeiten, war echt komisch und irgendwie super fremd. Ich kannte mich noch gar nicht aus, ich war gar nicht in dem Ding drinne. Ich dachte immer, jeder schreibt seine Songs alleine und gibt dann die Tonspur zu einem Produzenten, der den Song fertigmacht. Ich wusste überhaupt nicht, wie das alles abläuft. Die erste Songwriterin, mit der ich zusammengearbeitet habe, war die von dem Song „Painkiller“. Erst war es super fremd für mich, weil wir zusammen auf Englisch gesprochen haben. Ich stand da wirklich zusammen mit ihr im Studio und habe mich mit ihr auf Englisch unterhalten und einen neuen Song geschrieben.

Kann man denn überhaupt in so einem Moment performen? Kriegt man da etwas raus, mir würde es persönlich schwer fallen, überhaupt ein Wort auf Papier zu bringen.

Also das Ding ist, Englisch viel mir noch nie richtig schwer. Deshalb war das in Ordnung. Aber ich wusste nicht, wie man einen Song aufbaut oder anfängt. Klar, ich habe schon damals Songs geschrieben, aber für mich heißt das so viel wie: „Meine Gedanken in Worte fassen, sie runter schreiben und fertig.“ Ich kann mich noch genau erinnern, wie ich mich damals gefühlt habe. Ich habe mich auf einmal so klein gefühlt. Im Studio sind ja alle meistens ein bisschen älter und ich saß da als 16/17-Jährige, die keine Ahnung von der großen Musikwelt hat, einer 28-jährigen super professionellen Songwriterin und dem Produzenten, der 32 Jahre alt war, gegenüber. Ich habe auch den ein oder anderen Spruch über mein Alter schon mal abbekommen und am Anfang hatte ich damit ein wenig zu kämpfen, aber natürlich ist das alles mit der Zeit weggegangen und jetzt bin ich froh, jung zu sein, weil es wirklich einfach das beste für die Musikszene ist.

Ja voll. Ich kriege ja ganz viel Musik zugeschickt und besonders die Musik von jungen Leuten und Newcomer*innen. Die bringen so viel frischen Wind in die

Musikwelt. Das ist so neu, frei und nicht in den konventionellen Strukturen gedacht. Das hört sich viel geiler an, als die Musik von schon durchproduzierten Popstars.

Sehe ich genauso. Gestern Abend hat mir ein Freund von mir Musik von einer anderen Künstlerin geschickt, die bisher noch nichts rausgebracht hat. Das hat sich richtig krass angehört und war viel interessanter, weil es so viel Charakter hat und super persönlich klingt.

Wir hatten ja jetzt schon ein wenig über deine ersten Schritte in der Musikwelt geredet. Wie hat sich dein Leben im letzten halben Jahr verändert?

Ich glaube, am meisten hat sich der Kontakt zu meinen ehemaligen Schulfreunden verändert. Sie schreiben mir voll oft und geben mir Rückmeldung: “Voll toll, dass du dran geblieben bist”. Ich habe früher immer gesagt, dass ich Sängerin werden möchte und in der elften Klasse habe ich immer gesagt, dass ich um 14 Uhr nach der Schule direkt ins Studio gehe. Alle waren nur so: “Jaja, mach mal” und dann kamen alle nochmal an und ich habe ganz viele Nachrichten bekommen: “So toll”. Ich hätte das nie gedacht, aber ich habe nur positives Feedback bekommen. Es ist auch komisch, dass „Musik machen“ jetzt meinen Job ist. Es war eigentlich immer mein Hobby. Ich habe die Planung und alles, was dahinter steckt voll unterschätzt. Zum Beispiel mit der Mimi-Webb-Tour muss so viel geplant werden. Es gehört viel mehr dazu als nur singen. Auch das ganze Ding mit Social Media, dass es auch nicht ausreicht, einmal im Monat etwas zu posten, weil ich ja durch Instagram und andere Portale meine Fanbase aufbaue.

Ja voll. Du hast es ja gerade schon gesagt, du bist auf der Mimi-Webb-Tour als Support dabei, wie ist es dazu gekommen?

Ich habe einfach schon vorher mit meiner besten Freundin über Booking Agenturen geredet. Ich wollte unbedingt auf Tour gehen und habe mir Künstler:innen ausgesucht, bei denen ich richtig gerne Vorband spielen würde und da war sie einfach dabei. Ich wollte unbedingt von ihr vorband spielen. Dann wirklich, als hätte ich das manifestiert, schreibt mir mein Label zwei Wochen später und fragt mich, ob ich Support für Mimi Webbs Tour sein möchte und dass ich ihnen bis heute Abend Bescheid geben soll. Ich habe erstmal direkt meine beste Freundin angerufen und konnte es gar nicht fassen. Es war so krass. Natürlich habe ich auch direkt zugesagt.

Das hilft dir bestimmt auch total, so einen Tour-Alltag und die ganzen Abläufe von einer etablierten Künstlerin mitzuerleben. Wenn ich an meine ersten Konzerte denke, kannte ich die meisten Vorbands gar nicht und wurde trotzdem direkt immer krasser Fan.


Das Gefühl kenne ich auch. Vor zwei Jahren war ich einmal auf einem Lewis Capaldi Konzert und da ist Holly Humberstone als Vorband aufgetreten, aber da kannten viele sie noch gar nicht und sie hatte nur ein paar Songs draußen.

Oh, ich liebe sie.

Auf dem Konzert war ich auch mit meiner besten Freundin und wir fanden die beide so toll. Meine beste Freundin hat auch gesagt, dass ich das mal wie Holly sein und auf der Bühne stehen werde.

Und sie hatte recht! Noch zwei Jahre und dann hast du auch einen Coachella Slot wie Holly.

Haha. Man muss da einfach nur genug drüber reden, dann klappt das schon.

Wenn du jetzt eine eigene Headlinertour hättest und dir einen Support aussuchen könntest, wen würdest du nehmen? Du darfst auch jeden mitnehmen.

Oh wow, du musst mir kurz Zeit geben, das ist ne wichtige Frage... Ich glaube, ich würde Cloudy June mitnehmen. Ich liebe sie auch einfach als Person so doll, Cloudy ist so toll. Wir verstehen uns einfach richtig gut, wir haben auch schon ein paar Songs zusammengeschrieben. Sie macht so krasse Musik. Sie haut einen krassen Song nach dem anderen raus. Ich glaube, ich würde gerne mit ihr auf ne Co-Headlining Tour gehen.

Du bist born and raised in Berlin, oder? Wenn du deine Musik einem Ort in Berlin beschreiben müsstest, welcher wäre es?

Oh, die ist richtig cool die Frage! Ich finde es auch gar nicht so einfach. Ich würde sagen irgend so ein abgeranztes Café mit so richtig süßen Sofas drinne. Oh, gibt es die Wohnzimmer Bar noch? warte ich muss mal eben nachgucken....

Ah, im Prenzlauer Berg? Ja, da war ich auch schon einmal.

Genau, Prenzlauer Berg, Wohnzimmer Bar - der Ort wäre meine Musik. Das ist einfach so chillig da. Du kannst da sitzen, Spaß haben, du kannst ein schickes Weinchen trinken, aber auch ein Bier nehmen.

Da kann man sich auf jeden Fall wohlfühlen, wie in deiner Musik.

Da gibt es ja auch so einen Kreis in der Mitte, glaube ich. Da musst du so komisch sitzen und dadurch lernst du immer neue Leute kennen, das fühle ich sehr.


In deinem Song „All You Need to Hear“ singst du: all you need to hear is someone that says these three words to you - cuz I can’t.“ Da spielen ja auch viele commitment issues ist mit rein. Warum glaubst du hat unsere Generation so viel Angst vor commitment?

Ich kann nicht für alle sprechen, aber viel hat es immer mit unserer Kindheit zu tun und was wir so in der Kindheit erleben - das ist auch bei mir so. Aber der größte Punkt ist eigentlich, dass wir so viele Optionen offen haben. Das hatten die Menschen früher nicht. Wir können einfach alles machen. Niemals hätte jemand früher gesagt: „Ich gehe jetzt zwei Jahre nach Costa Rica, um dort work and Travel zu machen und fahre einmal überall hin.“ Ich glaube dadurch, dass wir so einen Überschuss an Möglichkeiten haben, fällt es uns schwer an eine Person zu binden, weil wir nicht nur daran denken, dass wir alles machen, sondern auch jeden haben können. Wir denken: „Ich will mich jetzt nicht an diese Person commiten, weil vielleicht wartet ja noch etwas Besseres auf mich.“ Im Endeffekt ist es ja nichts Schlechtes. Ich glaube, es ist wichtig, sich selbst klar zu sein, wie viel man Wert ist, weil das sowieso das Wichtigste ist. Aber es hat natürlich auch negative Seiten, sich nicht commiten, weil man dadurch andere Leute sehr verletzen kann. Das stimmt wohl. Für alle die durch so eine Situation schon mal verletzt wurde hilft vielleicht die letzte Frage: Was hilft gegen ein gebrochenes Herz? Ich bin ein Mensch, der nicht sofort über seine eigenen Gefühle reden kann. Ich muss es mir immer aufschreiben und dadurch kurz für mich selbst verarbeiten. Als ich mein erstes gebrochenes Herz hatte, hat mich meine beste Freundin abgeholt und sie wusste sofort, was los war, aber ihr war auch klar, dass ich erstmal nicht mit ihr reden werde, weil ich alles erst einmal selbst verarbeiten muss. Aber natürlich ist es schön, jemanden um sich zu haben, der immer für dich da ist und nachfragt, auch wenn man noch nicht bereit ist, alles rauszulassen. Ich fresse gerne meine Gefühle in mich ein und brauche dann immer sehr lange, bis ich mich anderen öffne. Also das hilft bei mir auf jeden Fall gegen ein gebrochenes Herz, viel Zeit für mich, aber zugleich auch Menschen um mich herum, auf die ich immer zählen kann. Viel Ablenkung und Schokolade ist natürlich auch immer gut.

Das ist doch ein guter Guide. Bisschen zu traurigen Songs heulen, geht auch immer gut.

Mega, oder traurige Songs schreiben, das geht auch super.

Oh, das ist next level! Sehr guter Tipp.