• Jule Detlefsen

Greta Isaac zeigt uns ihr Tagebuch

Greta Isaac veröffentlichte am 14. Mai ihre PESSIMIST EP.


Die Leadsingle „How to be a Women“ beschreibt den Inhalt ihrer Songs schon ziemlich gut. In einer Welt erwachsen werden, die droht sich selbst zu zerstören, ist nicht einfach. Klimakatastrophen auf der einen Seite, auf der anderen eine globale Pandemie und mittendrin eine Greta Isaac, die nicht so recht weiß, wohin mit sich selbst. Der andauernde innere Konflikt von sozialen Zwängen, sich nie genug zu fühlen und dem Feststecken in einer toxischen Beziehungen .

All das sind Dinge, die die Sängerin in ihrer neuen EP besingt und verarbeitet. Anstatt sich in der überwältigen Last der andauernden Umstände zu verlieren und sich zurückzuziehen, steht Greta auf. Sie liefert uns feinste Pop-Songs, um den ganzen Frust heraus zu schreien.



Anfangs begeistert Greta mit sanften Harmonien, die nach kurzer Zeit in verzerrte, schreiende Stimmen und psychedelischen Sound münden. Power könnte als Vorbote für den Verlauf der kommenden Songs angesehen werden. Die Stimmungsschwankungen in ihren Songs spiegeln echte Gefühle wieder und nehmen die Hörer:innen mit in das Tagebuch von Greta Isaac.

How to Be a Women ist die Antithese zu verlangenden Schönheitsidealen. Dabei zählt Greta eine ganze Liste von Dingen auf, die ihr von klein auf eingetrichtert wurden. Tu dies und lass das. Doch die Sängerin will kein eindimensionales Objekt sein, das sich andere so zurechtlegen, wie sie es wollen. Die Antwort darauf, wie man eine Frau wird, hat Greta noch nicht so recht gefunden. Die Suche wird wohl noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Sicher ist jedoch - bedingungslos man selbst zu sein, kommt dem ganzen wohl am nächsten.

Gemocht zu werden will ziemlich jeder. Es liegt in unserem Wesen. Doch das digitale Zeitalter spitzt die Situation zu. Wir können unsere Likes tracken und bei Bedarf optimieren wir uns so sehr, dass die Zahl hinter dem Herz immer größer wird. In Like Me wird die Absurdität und die Dringlichkeit von Bestätigung deutlich. In elektronischen Beats einbettet, bettelt Greta lautstark darum, gemocht zu werden. So ehrliche Worte sind in diesem Zusammenhang selten.


Mit FU endet die EP der Sängerin. Mit simpler Gitarre und intimen Harmonieren werden den Hörer:innen verletzliche Gedanken offenbart. Die melancholische Grundstimmung findet ihren Abschluss in den Wörtern:


„I don’t know anybody like I know you, Oh and now I wish I never had to“.

Still und intim sind die letzten Töne der EP. Keine großen Arrangements, nur zerbrechliche Gedanken. Ein Happy End ist es also nicht. In dieser Zeit wäre es auch utopisch, von einen Happy End zu reden. Was dieses Ende ebenfalls vermuten lässt - Greta Isaac hat ihre Geschichte noch nicht zu Ende erzählt. Innere Konflikte, globaler Umstände und soziale Beziehung werden die Sängerin auch in Zukunft umtreiben. Während sie diese Dinge verarbeitet, warten wir schon geduldig auf die nächste EP.