• Selli Hahn

"Es sollte jeder Mensch Musik machen dürfen und jede:r wird mit der Zeit besser" - Brenda Blitz

Brenda Blitz ist der neue aufsteigende Star am Rockstar-Himmel – das wusste sie auch schon als Kind. 2021 veröffentlichte sie ihre erste EP „Unendliche Weiten“. Seitdem ist ein bisschen Zeit vergangen und ihre Musik hat sich weiterentwickelt. Brenda geht mit ihren Songs mehr in die Tiefe und probiert mit neuen Sounds einiges aus. Sie arbeitet mit Choreograf:innen zusammen und hebt damit ihre Musikvideos und Live-Performances auf ein neues Level.

Credits: Frederike Wetzels


Es war ein Dienstagmorgen, 8 Uhr, als wir uns via Zoom zum Interview trafen. Ich verfolge die Musikerin schon seit einiger Zeit und hatte auch schon die Ehre, sie als Support bei Das Moped zu erleben. Auf der Bühne sprüht sie nur so vor Energie und Lebensfreude und lässt das ganze Publikum ihre Good Vibes spüren. Während des Interviews konnte ich immer wieder merken, mit wie viel Herzblut und Leidenschaft Brenda hinter ihrem musikalischen Projekt steht.

Wir haben über ihre neue EP „Schock Herzbrand“ und einige Songs daraus gesprochen. Außerdem, wie ihr musikalischer Werdegang war, warum der Blitz ihr Markenzeichen ist und was ihr Energie gibt, um so abzuliefern, wie sie es tut.


Du hast deine ersten Festivalauftritte hinter dir und warst Support bei der OK Kid Tour, wie fühlt sich das für dich an?

Sehr gut fühlt sich das an, gerade die Konzerte mit OK Kid haben sich so super angefühlt, dass ich danach meinen „Money-Job“ gekündigt habe, um mich voll auf die Musik zu konzentrieren. Richtig krass, mein Geld reicht jetzt noch genau 5 Wochen. Mit OK Kid im Nightliner zu sein hat mir gezeigt, dass man voll das Commitment braucht, um wirklich weiter zu kommen. Ich hab 3 Tage in der Woche noch in meinem „Money- Job“ gearbeitet und der hat zu viel Fokus von mir in Anspruch genommen. Manchmal merkt man einfach, dass der richtige Zeitpunkt für etwas ist und genauso geht es mir grade. Vor einem Jahr wäre Brenda Blitz noch zu unbekannt dafür gewesen, aber gerade ist eine Schwelle erreicht, wenn ich jetzt meinen Fokus voll auf die Musik lege, dann kann ich da für mich selbst weiter kommen. Und ich bin gerade auch gar nicht aufgeregt, obwohl ich gar kein Geld mehr hab (lacht) und auch keine Eltern hab, die ich anrufen kann. Gerade das Stadt-ohne-Meer-Festival hat mir nochmal gezeigt, wie cool es wirklich sein kann. Ich muss jetzt wirklich all-in gehen. Das Ganze Vollzeit machen zu können, tut mir auch gut. Es ist ja wirklich auch viel mehr, als nur Musik zu schreiben und zu machen, sondern auch z. B. Choreos für Songs überlegen oder so.

Ich stelle mir das als einen riesigen Schritt vor, jetzt den Job zu kündigen und dann all in zu gehen. Aber ich bin mir sicher, es lohnt sich.

Ich hab da auch ein gutes Gefühl. Ich muss jetzt nur richtig Gas geben, aber das wird.

Wenn du jetzt aus den letzten Jahren deine musikalisch größte Herausforderung wählen müsstet, welche wäre es?

Gute Frage! Also ich glaube, es sind zwei Sachen. Zum einen meine Stimme, denn die ist schon sehr viel besser geworden. Ich habe eine sehr coole Sprechstimme, aber gesanglich bin ich einfach keine geborene Whitney Houston und ich weiß das. Für meine Singstimme habe ich immer mega viel Kritik bekommen. Leute haben immer sowas gesagt, wie: „Deine Ausstrahlung ist super cool, aber du singst halt bisschen schief.“ Das sind halt Sachen, die mir im Kopf geblieben sind. Manche fanden, dass es Charme hat oder typisch Neue Deutsche Welle ist. Ich fand es auch gar nicht schlimm.

Ich fand es total interessant zu lernen, dass Leute denken, dass es nur Leuten mit einer guten Stimme zusteht, Musik zu machen. Das ist super frech. Es sollte jeder Mensch Musik machen dürfen und jede:r wird mit der Zeit besser. Das Erste, was immer bewertet wird, ist die Stimme. Auch wenn Freunde von mir zu einem Konzert kommen, dann kommt auch immer sowas wie: Konzert war geil, aber Stimme war halt nicht so gut. Musik hat so viel mehr Aspekte als nur die Stimme. Musikalisch war die Herausforderung, an meiner Stimme zu arbeiten. Ich treffe jetzt die Töne besser und kann sie besser halten und kann meine Stimmrange viel besser kontrollieren, als ichs vorher konnte. Außerdem, was es überhaupt bedeutet, gute und interessante Songs zu schreiben. Es gibt ja jetzt zwei neue Songs „Barbie“ und „1000 kilobyte“ und „rote Lederjacke“ zähl ich auch noch mit. Bei diesen Songs ist mein Songwriting wirklich komplett anders geworden und ich habe gemerkt, das meine ersten eigenproduzierten Tracks, was das Songwriting angeht, nicht so spannend sind. Die waren alle sehr ähnlich gemacht, weil ich noch nicht so viel Know-how hatte. Ich habe gelernt, dass ich die Geschichte so spannend wie möglich halten muss und nie nach einem gewissen Schema vorzugehen. Schema F kann man schon immer machen, aber ich habe für mich herausgefunden, dass es immer wichtig ist, was Neues auszuprobieren und das stetig. Das sind für mich die beiden Herausforderungen gewesen, diese Permanente mit den Songs und die mit der Stimme.

Ich glaube damit klar zu kommen, ist immer schwierig, aber ich finde es sehr bemerkenswert, dass du so dafür einstehst, dass es nicht perfekt klingen muss und die Hauptsache ist, das man Spaß hat an dem, was man macht.

Ja voll, dass liegt auch noch daran, dass auf 80 % der Tracks, die gerade rauskommen, ein Autotune-Filter liegt. Daran haben sich die Hörer:innen natürlich super krass gewöhnt. Wenn man Sachen von z. B. Nena etc. von früher anhört, merkt man, wie unbearbeitet die Songs waren. Früher hat das auch nie gestört und irgendwie ist das aber eben heute anders. Ich finde, eine kleine Roughness in Songs ist gar nicht schlimm. Mich interessiert doch viel mehr, was der Mensch zu sagen hat und wie viel Arbeit überhaupt reingesteckt wurde.

Credits: Frederike Wetzels

Der Name deines Soloprojektes ist Brenda Blitz. Wieso hast du den Blitz als dein Markenzeichen ausgewählt und nicht irgendetwas anderes?

Mein Ex Freund heißt tatsächlich Blitz mit Nachnamen. Er war meine erste große Liebe und er hat immer an dieses Musikalische in mir geglaubt. Das Projekt ist auch erst

entstanden, als wir schon getrennt waren. Die erste Motivation und die ersten Songs habe ich aus unserer Beziehung geschöpft. Es kam auch ein bisschen daher, dass ich mir immer dachte, wenn wir beide heiraten, dann würde ich Brenda Blitz heißen und dann klingt das ja so ähnlich wie Wonder Woman. Ich dachte dann einfach, es klingt wie eine weibliche Comic-Heldin, die alles kann! Mein Ex Freund ist auch heute noch eine sehr wichtige Person für mich, weil er mich eben immer supportet hat. Daher kommt der Name Brenda Blitz.

Damit habe ich jetzt tatsächlich nicht gerechnet, aber ich finds super cool. Und wie cool ist es bitte den Nachnamen Blitz zu tragen? Da steigt der Coolness-Faktor gleich um 10 %. Mit Blitz gibt es ja auch mehr als genügend Redewendungen, z. B. schnell wie der Blitz sein. Mit welchem Verkehrsmittel bewegst du dich am liebsten?

Das ist einfach mit dem Fahrrad! Mit dem Fahrrad ist man am schnellsten und man sammelt am meisten Eindrücke beim Fahren.

Gute Wahl! Deine EP Schock Herzbrand erschien am 29.07. magst du etwas über den Entstehungsprozess erzählen und wie es dir damit ging?

Die EP ist im Juni fertig geworden und als ich die Tracks zum ersten Mal in finaler Fassung gehört habe, musste ich erstmal eine halbe Stunde weinen, weil das so überwältigend war. Das war auch das richtige Gefühl! Der Anfang der EP ist vor zwei Jahren entstanden und seitdem haben wir daran gearbeitet. Mit "Wir" meine ich meinen Produzenten Nick und mich. Nick hat sein Studio auf dem Land im Taunus, das ist immer wichtig zu wissen, finde ich. Da steckt immer noch viel mehr dahinter, also da bin ich eben nicht in 5 Minuten mit dem Fahrrad wie in einem Studio in Kreuzberg, wo ich morgens komme und abends nach Hause gehe. Sondern da bin ich dann wirklich immer länger. In der ganzen EP stecken so viele Mitfahrgelegenheiten und Zugfahrten, wo Nick mich dann immer an irgendwelchen kleinen Bahnhöfen eingesammelt hat und irgendwelche Nachtfahrten in sein 150-Seelen-Dorf. Das war alles immer an ein Abenteuer gekoppelt, dann schläft man da neben dieser Scheune und hat einen Ausblick in ein Tal. Diese Bildwelt habe ich gerade versucht wiederzugeben in er EP. Da ist super viel Romantik in dieser Platte. Ich bin aber glücklich mit den Songs, weil es alle Themen bedient, die mir gerade so wichtig sind und unabhängig von der klassischen Liebe. Es wird immer über diese klassische Beziehungsliebe gesungen und Musik dazu gemacht. Ich dachte mir, dass es davon jetzt aber auch mal genug gibt und somit sind 6 geile Themen entstanden, die

mich beschäftigten. Ich bin unendlich glücklich, dass Schock Herzbrand jetzt rauskommt und es wird voll der Banger.

Du hast vor EP Release schon zwei Singles released. Einer davon trägt den Titel „1000 Kilobyte“. Magst du einmal zusammenfassen, worum es in dem Song geht?

Ich bin abends zum See gekommen, habe meinen Laptop aufgeklappt, Gitarre angestöpselt und mir war dieses Thema auf einmal so nah. 1000 Kilobyte war dann einfach in meinem Kopf. Ich glaube, was man früher viel besser konnte, war komplett mit Sachen abschließen zu können, weil man noch nicht so viel Zeit am Handy verbracht hat. Ich weiß das auch von mir selbst, dass man z. B. bei der ersten Liebe immer noch Nachrichtenverläufe gelesen hat und dabei blieb es dann auch. Irgendwie ist mir das sehr nah gegangen, wie schwierig das heutzutage ist, sich von Sachen zu distanzieren und das muss nicht immer nur auf Liebe bezogen sein. Manchmal lebt man sich auseinander und möchte einen bestimmten Menschen nicht mehr in seinem Leben haben und es ist so super schwierig geworden, sich von all dem Erlebten zu entfernen. Man sieht auf Instagram ständig, wer mit wem unterwegs ist und kann das ganze Leben online nachvollziehen. Das ist auch ziemlich toxisch geworden für uns alle und wenn man sich wirklich davon lösen will, muss man jemanden blockieren, das finde ich aber auch kein schöner Akt, aber manchmal kommt man gar nicht darum herum. Ich glaube, es ist auch wichtig, sich manchmal den Raum zu nehmen, wer einem wirklich guttut und wer nicht. Heute wirft einen viel mehr zurück und ich erwische mich selbst immer wieder dabei, wie ich dann in die Fotos von vor 3 Jahren scrolle und wahnsinnig viel Zeit damit verbringe, nachzuvollziehen, was war, anstatt im Hier und Jetzt zu leben und mich darauf zu konzentrieren. Das ist ein großes Thema für unsere Generation, weil das vorher noch nie so krass war und erst seit ein paar Jahren wirklich so polarisiert. Das beschäftigt mich auch selbst sehr und wenn ich mich selbst dabei erwische, versuche ich mich da bewusst davon abzubringen.

Einer deiner Songs heißt Energievampir und der hat mich beim ersten Hören direkt abgeholt!

Oh, das freut mich zu hören! Da geht es ein bisschen um toxische Beziehungen, aber um keine Beziehung im klassischen Sinne. Der ist wegen meines Mitbewohners entstanden, der voll der Energievampir war. Das ist auf jeden Fall auch mein Lieblingstrack auf der EP. Toxisch kann eine Beziehung jeder Art sein, das muss nicht immer die klassische Liebesbeziehung sein, sondern das betrifft genauso Freundschaften und vieles andere.


Was gibt dir denn Energie, wenn‘s dir schlecht geht?

Richtig schöne Frage und ganz plumpe Antwort: Sport! Ich liebe Sport machen so unglaublich, das holt mich wirklich aus jedem Loch heraus. Ich kann es jedem nur empfehlen, wenn man das gefunden hat, was einem Spaß macht, z. B. wie in meinem Fall ein Work-out oder so. Das schüttet so viele zusätzliche Endorphine aus. Wenn’s mir schlecht geht, geht’s mir danach auf alle Fälle besser und ich fühl mich dann gut und leicht. Außerdem holen mich meine Freunde auch immer aus einem Loch. Man denkt dann ganz oft, man muss alleine sein, wenn es einem nicht so gut geht. Bei mir hilft es aber extrem mit Freunden zu sprechen. Gesellschaft hilft so viel und holt einen auch so aus diesen ganzen irrationalen Gedankenspiralen raus, in denen man sich oft befindet.

Ich habe dich ja auch schon einmal live gesehen und finde du hast eine ziemlich starke Bühnenpräsenz und bringst super viel Energie mit. Deswegen passt der Blitz auch hier gut zu dir. Gabs für dich einen Liveauftritt, der dir im Gedächtnis geblieben? Egal ob positiv oder negativ.

Ich würde einfach mal von meinem spaßigsten und meinem unspaßigsten Auftritt erzählen. Das Spaßigste war das c / o pop Konzert neulich. Musikalisch war das super cool, das war in einem geschlossenen Raum und da war der Sound einfach nochmal ganz anders als bei Festivals. Alle kamen zusammen und es war richtig schön voll. Mein Freund war das erste Mal bei einem Konzert von mir und es waren viele Freund:innen von mir da. Meine Tänzerinnen waren auch noch am Start und wir waren in voller Bandbesetzung. Das war super! Die Leute waren richtig berührt davon und haben mitgetanzt, das war so unfassbar schön für mich zu sehen. Und die Katastrophe war auf jeden Fall letztens in Trier. Der Auftritt ist mir auch richtig im Kopf geblieben. Es waren irgendwie 5 Leute da und es geht da gar nicht darum, wie viele da waren, ich bin glücklich über jede Person. Es war aber das Altstadtfest der Stadt und ich glaube, die Leute wären mit einer Coverband wesentlich happier gewesen als mit mir. Das war echt krass, da habe ich wirklich gemerkt, dass das Publikum meine Musik null versteht. Ich hab daraufhin dann meine Ansagen auch irgendwann weggelassen. Ich habe ein oder zwei Tracks weggelassen. Vielleicht war das auch ein oberflächliches Ding von mir, aber ich konnte in ihren Gesichtern ablesen, dass ihnen das zu viel war. Das hat sich für mich so super schlimm angefühlt und ich bin richtig deprimiert nach Hause gefahren. Meine Managerin war auch dabei und wir haben dann auch vier Stunden im Zug nicht geredet. Einen Tag vorher habe ich beim Stadt-ohne-Meer Festival gespielt und das war auch einfach ein krasser Gegensatz. Das Gute war, dass ich inzwischen besser mit sowas umgehen kann und eben auf der Bühne auch gleich reagieren konnte und wusste, was ich an der Show verändern muss. Das gehört auch einfach dazu, wenn man noch nicht super bekannt ist.

Credits: Frederike Wetzels

Wie du schon sagst, ich glaube, es gehört vor allem zu den Anfängen des Musikmachens. Aber ich stelle es mir gleichzeitig auch super frustrierend vor. Worauf freust du dich in nächster Zeit am meisten, abgesehen von deinem EP Release?

Ich freue mich darauf, was mit meinem Kopf passiert, wenn ich jetzt Vollzeit Musik machen kann. Ich bin super gespannt, wie sich mein Mindset dadurch verändert, weil es ist ja auch ein gewisser Druck dahinter. Gleichzeitig ist das jetzt auch krass befreiend. Ich freue mich einfach mal wieder auf den Prozess des Musikmachens und Schreiben von Songs. Ich will weiter an meinen Performances arbeiten, besser mit der Gitarre zu werden, eine geile Bühnenshow zu entwerfen, etc. Ich will alles angehen und mich voll und ganz dieser Sache zu widmen. Ich bin einfach voller Tatendrang, das alles zu verfolgen.

Das klingt super gut und aufregend! Ich bin ganz gespannt, wie sich das alles entwickelt. Meine allerletzte Frage, die ich immer stelle, ist: Hast du einen Tipp oder Ratschlag für unsere Leser:innen, der dir mal total geholfen hat oder den du weitergeben möchtest?

Sich zu stressen oder sich über Dinge zu ärgern ist verlorene Zeit! Das habe ich total verinnerlicht. Sowohl meine Freunde als auch fremde Leute regen sich super schnell auf und steigern sich dann in Situationen rein. Leute sind 80 % ihrer Zeit damit beschäftigt, sich in Dinge hineinzusteigern und sich aufzuregen. Meine Freunde sagen über mich auch, dass ich viel zu entspannt bin. Mir wurde mal mein Fahrrad geklaut und das war natürlich blöd, aber im Endeffekt ist es eine Zahl auf dem Konto und ich kauf mir ein Neues. Sich da krass reinzusteigern bringt meiner Meinung nach nicht so viel. In der Zeit hätte ich mir ein neues Fahrrad suchen können oder meine Zeit anders sinnvoll nutzen. Man stresst sich in unserer Gesellschaft oft sehr künstlich. Ich kann wirklich nur jedem raten, sich nicht künstlich stressen zu lassen und anstatt sich über jemanden aufzuregen, lieber direkt mit der Person selbst zu sprechen. Zeit ist

super kostbar und die kann man sinnvoller nutzen. Das klingt wirklich alles ein bisschen Kalenderspruch-mäßig, aber die Zeit vergeht super schnell und oft schneller, als man denkt und die sollte man nicht damit verbringen, sich zu stressen oder sich so oft aufzuregen.