• Jule Detlefsen

Die Angst vor Neuem

Ein Blick in die HipHop.de-Kommentarspalte auf Instagram zeigt schnell: Rappende Frauen ist für viele ein stechendes Dorn im Auge.


Apache oder RIN kommen in den Kommentaren aber auch nicht besser weg. Alteingesessene Rap-Fans hängen kompromisslos am Alten fest und verpassen dabei die hundert Möglichkeiten des Neuen.


Innerhalb der Musikindustrie ist der Umgang mit Rapperinnen noch ungeübt. So veröffentlicht Spotify eine Playlist namens „Frauenrap“. Yay für die Repräsentation aber großes Ney für die undifferenzierte Schublade, in die alle rappende Frauen gesteckt werden. Dabei gibt es starke Unterschiede unter Rapperinnen sowie bei Rapper eben auch.


Gestern Abend wurde die Gewinner der HipHop.de-Awards auf Instagram verkündigt. Durch 50 % Zuschauervoting und 50 % Jury-Vorging wurden die Gewinner gekürt.



In der Kategorie „Bester Newcomer*in“ konnte die 18-jährige Badmómzjay überzeugen. Definitiv verdient betrachtet man den rasanten Aufstieg der Künstlerin. Neben durchaus positiven Kommentare, die die Gewinnerin feiern und ihr gratulieren, findet sich trotzdem der eine oder andere, der mit der Entscheidung nicht so gut klar kommt.


„Übertreibt ein bisschen mit ihrem Lesben-Image (…)“ „Wie konnte es soweit kommen“ „Industirehure“ sind nur einige der zahlreichen Hate-Kommentare unter dem Instagram Post. Die Kommentare stammen allesamt von Männern, was wenig überrascht.



Als bester internationaler Song wurde „W.A.P - Cardi B. & Megan Thee Stallion“ gekürt. Ähnliche Kommentare wie bei Badmómsjay sind hier zu finden. Dazu noch ein Klassiker in der Kommentarspalte von Rapperinnen: „Statement für sexuelle Selbstbestimmung = Im Video halbnackt mit dem Arsch in die Kamera wackeln und W.A.P singen. Aha“


Ja, mein Lieber, genau das ist sexuelle, weibliche Selbstbestimmung. Weil sie es eben nicht für dich, sondern aus eigener Lust tun.

Bei Candyshop von 50 Cent scheint ihr euch doch auch nicht an den expliziten Lines zu stören?


Dies ist kein reines Hip-Hop Problem. Im Pop ist die Thematik noch viel subtiler. So werden Tracks wie „Swalla“ oder „Wiggle" von Jason Derulo ohne nachzudenken hingenommen und fröhlich mit gesungen. Doch sobald eine Frau ihre Version erzählt, wird demonstratives Slut-shaming betrieben und die Kredibilität als Vorbild infrage gestellt.


Für Frauen im Rap bzw. Frauen in der Musikindustrie wird es noch ein langer, steiniger Weg, bis Kommentare wie diese nicht mehr zum Daily Business gehören.


Doch es gibt immer mehr Frauen, die als Vorbilder zeigen was möglich ist. Auch HipHop.de zeigt durch die Nominierung, dass Frauen im Rap ebenfalls eine Plattform gebührt. Es noch nicht genug, aber es ist ein Anfang.


Unter den Gewinnern finden sich auch Rapper, die in den Kommentaren runtergemacht werden. So wird Apache für die "Beste Line" oder RIN für die "Beste Live-Act" ausgezeichnet. Auch das ist den engstirnigen Rap-Fans zu wild. Apache und RIN sind im traditionellen Sinne möglicherweise eher in der Richtung Pop anzufinden, aber Hip-Hop verändert sich eben über die Jahre.



Eindimensionale Rap-Fans haben Angst vor dem Neuen, egal ob weiblich oder männlich. Dabei verpassen sie all die gute Musik, die sie aus Prinzip nicht hören. Wichtig ist es jetzt für Newcomer*innen sich von diesen Kommentaren nicht beeinflussen zu lassen. Jede Veränderung ist gut und wertvoll für die Kunst. Auch im Rap.