• Jule Detlefsen

Alli Neumann im Interview

Und auf einmal war es da, das Debüt-Album von Alli Neumann "Madonna-Whore-Komplex". So wie sie auf einmal in der deutschen Musiklandschaft da war und diese ein bisschen bunter, interessanter und freier gemacht hat. Den Weg dahin beschreibt sie in ihrem aktuellen Album. Es geht um Emanzipation, grenzlose Freiheit und dem Wunsch, die Welt ein bisschen besser zu machen.


Ich durfte die Künstlerin vor zwei Wochen zum Zoom-Interview treffen. Dabei haben wir natürlich über ihr grandioses Debüt-Album gesprochen. Aber auch über soziale Projekte, die ihr am Herzen liegen und warum Nordfriesland für sie immer noch so eine große Rolle spielt. In puncto Heimat waren wir schnell auf einer Wellenlänge, da ihre nur ein Katzensprung von meiner entfernt liegt. Viel Spaß also mit dem Interview zwischen zwei norddeutschen Frohnaturen.

Dein Album Madonna-Whore-Komplex ist seit einigen Tagen raus, wie fühlt es sich an, dass die ganz Welt nun dein ersten eigenes Album hören kann?

Genau, es ist seit fünf Tagen raus und es ist noch super surreal für mich. Ich habe auch aktuell kein Zeitgefühl mehr. Ich bin immer richtig hyped davon. Ich habe mein Leben lang darauf hingearbeitet und das war immer mein Traum. Und dann sitzt man so zu Hause, es ist 0:00 Uhr und du weißt, das Album ist draußen und siehst du es auf Spotify und nicht mehr in deiner eigenen Dropbox. Aber erst mal ändert sich nicht, das ist so ein langsamer Prozess, erst mal ankommen und realisieren, dass mein Album draußen ist. Mein Erstes!

Wie fühlt sich das an, dass die ganze Welt diese Gedanken die du da verarbeitet hast und lange drüber nachgedacht hast, jetzt auf einmal hören kann?

Jetzt denke ich darüber nach, wenn mir jemand schreibt, dass er es gehört hat und bis jetzt haben sich Leute gemeldet, die damit etwas anfangen konnten. Denen das irgendwie geholfen hat oder die gesagt haben: „Ich habe mich frei gefühlt“ als ich „Frei“ gehört habe. Das ist genau das, wofür ich das alles machen. Also, es fühlt sich sehr gut an.

Dein Album sprüht nur so von den großen Themen unserer Zeit: Emanzipation, Identität, soziale Ungleichheit. Gibt es eine Message im Album, die dir besonders wichtig ist?

Also wenn es eine Message gibt, dann geht es auf jeden Fall darum sich zu befreien und sich zu emanzipieren. Wir können alles sein und wir können alles gleichzeitig sein. Wir können paradoxe und komplexe Wesen sein. Das gilt für Frauen, als auch genauso für Männer. Die leiden auch unter dem Patriarchat und dem Rollenbild. Was vielleicht andere Probleme mit sich bringt, aber genau so einschränkend ist. Niemand hat das Monopol über uns zu urteilen und es gibt auch kein richtig und falsch. Manchmal hat man so das Gefühl, in der Dominanzkultur, dass es das gibt, aber da ist niemand. Deswegen weiß man selber am besten wer man ist. Darum geht es auf jeden Fall.

Und ich habe mich viel mehr mit Emanzipation und „Ismen“ unter denen ich selbst leide auseinandergesetzt. Die ich gegen mich anwenden und dich ich auch gegen andere anwende. Jetzt geht es darum diese zu hinterfragen. Ich habe einfach den Prozess, den ich in den letzten zwei Jahren gemachte habe festgehalten und geteilt. Es freut mich einfach, wenn Leute sich dazu frei tanzen können.

Wenn du dein Album in drei Wörtern beschreiben müsstest, was schwer ist, weil da so viel drin ist, welche wären es?

Freiheit, Funk und Country? (lacht) - Freiheit, Funk und Country, Badabum!

Das hört sich nach einem Erfolgsrezept an!

Emanzipation, passt aber auch gut rein, gib mir vier!

Ist es für dich schwer so große Themen in einen 3-Minuten-Song zu packen oder geht dir das leicht von der Hand weil sie eh die ganze Zeit in deinem Kopf sind oder ist das eine richtige Hürde?

Um ehrlich zu sein ist Lieder schreiben für mich eine super große Hürde und ich finde es super schwierig. Ich brauche irgendwie zwei Wochen für einen Text und rufe mehrfach nachts dann gefühlt weinend Max an - mit dem ich an vielen Sachen gearbeitet habe für das Album. Vor allem, wenn ich nicht mehr weiterwusste und wusste, das Lied bekomme ich auf gar kein Fall alleine hin. Es ist für mich ein krasser Kampf. Gerade weil es so viele Themen sind und es schwierig ist sich dann einfach zu entscheiden. Was ist jetzt gerade das Richtige? Wie sage ich es am besten? Am einfachsten ist es natürlich, wenn man emotional getroffen ist. Manchmal hat es dann so funktioniert oder man muss sich noch mal hinsetzten und einen anderen Weg finden, um es dann auch so zu kommunizieren, dass es beim Hörer ankommt. Es ist auf jeden Fall eine sehr schwere Aufgabe. Wenn jemand Tipps hat, wie man Songwriting einfacher hinbekommt, gibt mir die Tipps, ich freue mich drüber!


Ich bin nicht sehr musikalisch, kann also kein Instrument spielen oder kann nicht singen. Ich wüsste gar nicht, wie ich anfangen sollte. Fängt man mit dem ersten Satz an oder fängt man mit dem Chorus an?

Ich habe ehrlich gesagt, keine Regel, wie ich anfange. Manchmal fahre ich Auto und dann kommt mir eine Line oder eine Melodie. Oder ich denke darüber nach, worüber mir ein Lied gerade fehlt und welches ich gerade gerne hören würde. Oder dass ich einfach mal Fagott spiele und dann die Melodie zuerst da ist. Ich versuche auch immer verschiedene Wege zu gehen, mal am Klavier, mal mit einem Spaziergang, mal einen eigenen Beat zu programmieren. Einfach damit frischer Wind in die eigene Musik kommt und man selber auch gefordert bleibt. Ich glaube, das ist für die eigene Kreativität gut. Es gibt bestimmt Leute, die da strikter bei ihrem Songwriting sind.

Aber das Thema des Albums ist ja auch „frei sein" und dann kann man ja auch freier bei seinem Songwriting sein.

Genau!

Du engagierst dich ja immer wieder gerne und oft für soziale Projekte. Gibt es gerade eins, das dich gerade besonders beschäftigt?

Alle Themen sind natürlich gleich wichtig, aber wenn ich jetzt eins nennen soll... Ich habe mich gestern noch mit einer Freundin getroffen, Gülay von GoBanyo, deshalb komme ich gerade darauf: Housing First - dabei geht es darum, dass man Menschen von der Straße bekommt. Ich glaube das ist nicht gesund ist zu sehen, wie es Menschen in Deutschland inmitten von diesem ganzen Wohlstand geht. Wir haben da so eine Abstumpfung erlitten und ich glaube, dass diese Abstumpfung uns noch in anderen emotionalen Themen und Bereichen einschränkt. Deswegen ist das ein Thema, was wir angehen sollten. Es ist auch mittlerweile nachgewiesen, dass es günstiger ist Menschen von der Straße zu holen, als sie ein Leben lang auf der Straße zu versorgen.

Vielleicht hat man halt mal einen krassen Schicksalsschlag erlitten und dann landet man auf der Straße. Da würde ich mir wünschen, dass es irgendwie ein Backup-System gibt, dass einen da wieder rausholt. Also Housing First!


Wer für diese gute Sachen spenden möchte, findet hier das Spendenkonto:


GoBanyo gGmbH IBAN: DE73200505501251135370 BIC: HASPDEHHXXX

Ich habe mal bei einer Lesung von Dominik Bloh gearbeitet und fand das so beeindruckend, aber auch krass, dass das Thema so wenig besprochen wird.

Genau, also noch mal eine Empfehlung „Palmen aus Stahl“ von Dominik Bloh! Ich finde es echt krass, wenn man versteht wie schnell man trapped ist auf der Straße. Wie eine Nacht eigentlich reicht und man sofort aufgeschluckt wird und es nur noch darum geht zu überleben, Wasser zu finden, in Sicherheit zu sein, an Essen zu kommen und an Hygienemittel. Man fängt an zu verstehen, warum es so schwierig ist von der Straße zu kommen, ohne das einem eine Wohnung angeboten wird. Ich freue mich natürlich, dass ich mit meiner Reichweite etwas tun kann und so was unterstützen kann, das ist super toll. Aber Props auf jeden Fall an die Menschen die das letztendlich machen. Es gibt so viele Ehrenamtler, die jeden Tag draußen sind, auch im Rentenalter. Die sich dazu entschieden haben anderen Menschen zu helfen. Da habe ich so Respekt vor. Und das tut auf jeden Fall auch gut sich ehrenamtlich zu engagieren. Das ist so ein bisschen meine Therapie fürs Leben, weil man sich mit anderen Fragen beschäftigt und nicht mit sich selbst.

Ja voll, diese Sinnfrage wird im Alltag ja oft gar nicht beantwortet. Wenn man dann irgendwie was Gutes tut und Leuten helfen kann, dann ist der Sinn ja ziemlich offensichtlich.

Genau, dann wird diese Sinnfrage bei mir etwas stiller und man weiß, man wird gebraucht und man wird als Mensch gesehen, egal was man tut. Überall wo ich im Ehrenamt mal tätig war, war es immer eine sehr schöne menschliche Ebene, die man mit den Kollegen hat oder mit den Kunden. Ich habe super spannende Menschen kennengelernt übers Ehrenamt. Deshalb kann ich nur sagen: sucht bei euch in der Stadt. Einfach ein paar Organisationen anrufen. Man lernt neue Leute kennen und mir geht es immer sehr viel besser danach.

Foto: Clara Nebeling

Was hat dich bewegt wieder in deine Heimat nach Schleswig-Holstein zu kommen? Obwohl du ja vor einigen Jahren hier weg bist? Wenn man dich so anschaut, denkt man, dass du in der Großstadt besser aufgehoben wärst.

Also ich liebe ja den Mix aus beiden Sachen. Das ist das was mir am meisten liegt. Ich wollte immer, als ich jung war, auf dem Land zu leben, so wie Ton Steine Scherben das gemacht haben mit Rio Reiser. Da dann diesen kreativen Space zu haben, wo man den ganzen Tag laut sein kann. Ich kann nachts Schlagzeug spielen und draußen im Garten Gitarre zu spielen. Sich da zu sammeln, Bücher zu lesen und dann wieder da rauszukommen und neue Sachen sehen und tolle Menschen treffen. Um das alles danach dann zu verarbeiten, bin ich dann wieder auf dem Land und schöpfe da Energie und tank auf um Lieder zu schreiben und habe da auch vor allem meine Ruhe, um kreativ zu sein. Bei mir ist es so ein bisschen getrennt in aufnehmen, verarbeiten und neu kreieren.

Hattest du das Gefühl als du dort aufgewachsen bist, dass dich dieses Landleben einschränkt oder hast du das gar nicht so empfunden?

Ich habe das natürlich nur so wahrgenommen und besonders die letzten Schuljahre habe ich mich gefangen und gefesselt gefühlt und eingeschränkt. Ich glauben das kennen viele die in kleineren Städten großwerden. Wenn man immer davon träumt nach Hamburg, Berlin oder Köln zu gehen, dann sind da die ganzen Möglichkeiten. Damals war es auch genau das Richtige für mich und ich habe so viel spannende Menschen kennengelernt und mich selber natürlich auf eine ganz andere Art und Weise. Das habe ich auch gebraucht und nichts hätten meine Jahre in der Großstadt ersetzen können. Aber jetzt gibt es auch wieder ganz andere Sachen, die ich suche. Auf dem Land bin ich sehr viel in der Natur und habe mit meinem Hund zu tun. Kulturelle Sachen und Freundschaften kann ich in der Stadt ausleben und bin dann gut bedient.

Ich hatte neulich ein Interview mit Drangsal und für ihn ist seine Heimat so ein ganz großer Bestandteil seiner Identität, obwohl er da lange wegwollte. Ich fühle das total nach, wie ich meine Kleinstadt früher verteufelt habe. Aber ich komme nicht davon weg, wie wichtig dieser Ort für mich ist. Ist das bei dir auch so?


Extrem und manchmal frage ich mich auch, ob es vielleicht gerade daran liegt, dass man der Misfit war. Das ist ja auch ein wichtiger Teil der Identität eines Künstlers, dass man die Perspektive eines Misfits hat. Wenn man dann zurück auf dem Land ist, dann weiß man wieder wer man ist.

Voll, in Berlin fällt man dann auf einmal nicht mehr auf.

Ich glaube für einen Künstler kann das ein wichtiger Teil der Identität sein. Vielleicht sehnt man sich auch manchmal wieder danach aus dieser Perspektive gucken zu dürfen.

Hast du das Gefühl, dass dieser Grundstein deiner Identität auch was mit der Region Nordfriesland an sich etwas zu tun oder wärst du in jeder anderen Kleinstadt genau so geworden?

Mmmh (überlegt) Ich glaube tatsächlich, dass viele Sachen dann auch so durch das Umfeld passiert sind, indem wir, also meine Familie und ich, großgeworden sind. Da mein Vater damals mit den Ton Steine Scherben nach Nordfriesland gegangen ist. Das sind ja viele ehemalige Hausbesetzer und Linke, die sich dort niedergelassen haben in der Region. Das ist natürlich dann so das Umfeld, indem ich großgeworden bin. Wir sind auf den Hippie-Festivals der Dörfer unterwegs gewesen und hatten immer ganz viel Musik zu Hause und bei den Freunden meiner Eltern. Natürlich hat das schon geprägt. Mit 12 Jahren habe ich angefangen meine erste Band zu gründen und in der war auch ein ehemaliges Ton Steine Scherben Mitglied. Das hat auf jeden Fall meine Idee von Musik sehr beeinflusst und natürlich mein politisches Denken. Ich weiß nicht wie es sonst geworden wäre. Aber das ist ja immer so, wenn man das kleinste Rad im Lebenslauf dreht, hätte alles ganz anders sein können.

Das stimmt, aber schön das du hier großgeworden bist. Ist ja jetzt was Gutes draus geworden.

Finde ich auch! Mir gefällt es auch sehr gut in der Gegend.

Ich finde es so schön, weil man hier weiß, wie alle so ungefähr ticken.


Ja, weil man einfach diese Sprache kennt. Diese bisschen unterkühlte. Ich freue mich dann auch, wenn ich mal in einer anderen Stadt bin und mich alle Leute anlächeln, als ob man sich seit zehn Jahren kennt. Besonders wenn man in Köln war und alle super offen auf der Straße sind und dann kommt man wieder nach Hause, alle kennen dich seit 200 Jahren, aber gucken dich nicht mit dem Arsch an (lacht). Aber das hat alles seinen Charme. Auf jeden Fall die Ruhe. Die meisten stehen dann immer noch drei Meter vom Gartenzaun entfernt und nicken vielleicht mit dem Kopf, wenn man sich das 20 Jahre lang hart erarbeitet hat.

Foto: Clara Nebeling

Ich frage immer gerne nach Frauen also Musikerinnen, die in der Musikszene gerade zu wenig Aufmerksamkeit bekommen: Hier hast du die Möglichkeit, denen eine Bühne zu bieten! Welche Musikerinnen verdienen gerade mehr Aufmerksamkeit?

Ja, ich bin eine riesen Fan von Kaleo Sansaa. Das ist englischsprachiger Pop/Hip-Hip, viel auch so psychedelic und experimental und diese Frau lebt in Berlin. Ich bin auch großer Fans von ÄTNA, das ist eine Band aus Deutschland, auch englischsprachig. Mit der Sängerin habe ich für mein Album an einigen Melodien geschrieben. Das ist für mich einfach eine Band, die sollte meiner Meinung nach auf der ganzen Welt und überall laufen. Also auf jeden Fall reinhören!

Über anstrengende Männer hast du ja einen Song auf dem Album: „männer wie du“. Kannst du dich an den Moment erinnern, als du das erste Mal gemerkt hast, dass Frauen bzw. Mädchen anders behandelt werden als Männer bzw. Jungs?

Eine der ersten konkreten Erinnerungen war in der Schule, in der 5. oder 6. Klasse. Ich hatte immer eine super schlusige Handschrift und war jemand, der eher ungeordnete Unterlagen hatte und bei meinem guten Freund war das dann auch immer so. Aber ihm wurde dann nachgesagt, dass er voll intelligent sei und das einfach so ein verrückter Prozess bei ihm ist. Dass er halt einfach faul ist, aber super intelligent. Bei mir hatte ich das Gefühl, das wird ganz anderes bewertet. Nur als schlusig und bekommt gar nichts hin. Das hat mich damals schon aufgeregt und da hat es dann angefangen, dass ich mich damit auseinandergesetzt habe.


Wenn du eine Tochter hättest, was würdest du dir wünschen, ihr mit auf den Weg zu geben zu können?

Das alle anderen auch nur so tun, als würden sie wissen, was los ist und auch nicht wissen, was richtig und falsch ist. Und sich das von niemanden erzählen zu lassen. Das würde ich ihr sagen.


Für mich bist du die Pippi Langstrumpf der Musikszene und Pippi Langstrumpf weiß, dass sie machen kann was sie will. Woher weißt du eigentlich, dass du alles machen kannst, was du willst? Gab es da einen bestimmten Einfluss in deiner Kindheit oder wer hat dir das mitgegeben?

Um ehrlich zu sein, waren gerade so Leute wie Pippi Langstrumpf, die die richtig wichtig für mich waren. Es ehrt mich sehr, dass du das sagst. Ich selber habe aber immer noch die Wahrnehmung, dass ich noch auf dem Weg dahin bin. Seit meiner Kindheit schaue ich zu Persönlichkeiten wie Pippi Langstrumpf auf. Jetzt halt zu Menschen wie AOC (Alexandria Ocasio-Cortez) oder Rihanna oder Freundinnen, Aktivistinnen, die aktiv sind und sich für andere Menschen einsetzen und nicht nur für sich selbst, sondern darüber hinaus. Es freut mich sehr, dass ich so frei wahrgenommen werde, aber ich selber ärgere mich noch so über alle Unfreiheiten und versuche diese zu brechen. Deshalb auch dieses Album Madonna- Whore-Komplex, weil für mich Emanzipation immer so ein großes Thema ist und ich will unapologetic und unbothered sein, laut im Bus mitsingen und so. Da bin ich noch nicht ganz, aber das bringt voll was, dann solche Menschen zu sehen. Die das einfach machen und das einfach leben und ein tolles Selbstverständnis von sich haben und einfach mutig sind. Von den schaue ich mir immer ab, was ich kann.

„Ich hätte viel lieber nur Cheerleader in meinem Kopf“ ist mir sehr hängen geblieben, wie hast du es geschafft dich von negativen Menschen und beengenden Erwartungshaltungen von Außenstehenden frei zu machen?

Ich glaube das es super wichtig ist, dass man sich erst mal bewusst macht, wer einem wirklich guttut im Umfeld und dahingehend seine Grenzen zu setzen. Das ist auch echt ein schwerer Prozess. Man hat ja auch so Freundschaften die man einfach hat oder die immer da waren. Ich

habe aber mittlerweile so viele tolle Menschen kennengelernt und meinen eigenen Selbstwert besser kennengelernt, um Grenzen zu setzen. Letztendlich musste ich loslassen von ein paar Leuten, die mir nicht gutgetan haben. Die eben keine Cheerleader waren, sondern Selbstzweifel gefüttert haben. Das ist auf jeden Fall ein großer Tipp - sucht euch Menschen um euch herum, die selbst, wenn man Fehler macht, immer noch Cheerleader sind und einem darin bestärken und sagen: „Du wirst daraus lernen und du wirst die richtigen Schlüsse ziehen. Jeder macht mal was Falsches und du wirst resilienter“. Cheerleader heißt nicht, jemand feiert dich bedingungslos, sonder eher das einer dich motiviert und mit dir Wege geht.

Ganz nach dem Motto deines Songs „frei“ - wann fühlst du dich am freisten?

Es gibt drei Situationen, in denen ich mich besonders frei fühle. Wenn ich mit meinen Schwestern zusammen bin, fühle ich mich extrem frei. Weil die mich einfach bedingungslos lieben und ich einmal filterfrei immer sagen kann, was ich will und ich weiß, dass ich nie verurteilt werde. Außer wenn ich nicht fair gegenüber anderen bin. Dann auf der Bühne - diese Power die das hat auf mich, wenn ich Lieder singe, die eh ein Gefühl von Freiheit suggerieren sollen, dann nimmt mich das extrem mit. Und dann noch wenn ich alleine in einer anderen Stadt bin. Ich habe das noch nicht so oft gemacht, muss ich dazu sagen. Ich war jetzt zweimal alleine in Städten. Dann ist man so ein unbeschriebenes Blatt, keiner kennt dich. Ich kann sein wer ich will, das gibt mir immer eine große Freiheit.


Alli Neumann zeigt, dass es geht, dass man sich von sozialen Zwängen frei machen kann und seinen eigenen Weg gehen kann. Wer früher Pippi Langstrumpf als Vorbild hatte, orientiert sich jetzt Alli Neumann. Sie ist Vorbild von einer heranwachsenden Generationen an Mädchen und jungen Frauen, die für sich einstehen, sich nicht alles gefallen lassen und letztendlich genau das machen, was sie wirklich wollen.